Sonntag, 20. Mai 2018

US-Präsident im Führungscheck Was Führungskräfte von Donald Trump lernen können

Steht da ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde im Oval Office?

Nachdem im ersten Jahr seiner Amtszeit so viel Häme und Kritik über den US-Präsidenten ausgeschüttet wurde, ist es an der Zeit für einen Versuch, auch einmal etwas Nettes über Donald Trump zu sagen. Immerhin wird jedem amerikanischen Präsidenten die Rolle des "Führers der freien Welt" zugeschrieben. Und so rühmt sich auch Donald Trump gern seiner Führungsstärke als erster Deal Maker der Nation und empfiehlt dem Rest der Welt mit einem bemerkenswerten Selbst- und Sendungsbewusstsein, seiner Führung zu vertrauen, auf dass er nicht nur den USA sondern allen Völkern dieser Welt den Weg zu Glück, Wohlstand und saftigeren Weidegründen weise.

Ulrich Goldschmidt
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    Gerhard Blank
    Ulrich Goldschmidt ist Vorstands-vorsitzender des Berufsverbandes "Die Führungskräfte" (DFK) in Essen. Der Jurist ist Spezialist für Führungsfragen, Vergütung und Corporate Governance. Außerdem ist er Ansprechpartner für die Sprecherausschüsse der Leitenden Angestellten sowie Berater und Coach für Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder.

Seien wir also nicht mäkelig und reiten auf seinen offenkundigen Schwächen herum, sondern schauen uns das Feld an, auf dem er sich nach eigenem Bekunden wie zu Hause fühlt und wo ihm niemand das Wasser reichen könne. Ein Jahr nach dem Beginn seiner Präsidentschaft ist es angezeigt, nach den Führungsqualitäten von Donald Trump zu fragen.

Dienstleistung in Spurenelementen

Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Führung kein Selbstzweck ist, sondern eine Dienstleistung. Bei Führung geht es nicht um Orden und Ehrenzeichen. Führungskraft zu sein, ist daher auch kein anspruchsbegründendes Sonderrecht. In der Wirtschaft bedeutet dies, dass Führung dem Erfolg des Unternehmens dienen muss und Dienstleistung für die Mitarbeiter gefordert ist. Auf die Politik übertragen geht es also um Dienstleistung und Verantwortung für das Land, seine Bevölkerung aber eben auch für andere Länder und Völker, auf die sich das politische Handeln auswirken kann. Es geht um also nicht nur um politischen Shareholder Value sondern um Stakeholder Value.

Trumps Parole "America first!" ist damit nur schwer zu vereinbaren. Und die Zweifel an seinem Führungsverständnis werden noch größer, wenn man sich sein Verhalten im Amt anschaut. Dienstleistung ist dort allenfalls in Spurenelementen wahrzunehmen. Nicht mehr das Amt und die Aufgabe stehen im Vordergrund, das Amt ist auf Trump persönlich zugeschnitten. Sein Regierungsprogramm lässt sich in drei Worte fassen: "Ich, Ich, Ich." Daher ist auch das Motto "America first" wenig glaubhaft. "Trump first" beschriebe es schon besser. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass sein Wahlprogramm schon genauso aussah. Der Wähler hat genau das bekommen, was im Präsidentschaftswahlkampf versprochen wurde. Auch als Geschäftsmann agierte er in dieser Weise. Also alles nicht besonders überraschend. Man konnte es wissen.

Trump hat sich unlängst als "stabiles Genie" bezeichnet und in der Tat in einem Teilsegment ein unglaubliches Talent an den Tag gelegt: Er ist einfach ein genialer Selbstvermarkter. Er verkauft seit jeher die Marke Trump. Zunächst im Geschäftsleben, heute in der Politik. Schaut man hinter die Kulissen, ist es wenig überraschend, dass es mit Selbstvermarktung allein nicht getan ist. Der Geschäftsmann Trump gilt schon seit Jahren eher als Scheinriese denn als erfolgreicher Deal Maker. Mehrere Insolvenzen sprechen Bände. Das lässt nichts Gutes für seine Zeit im Weißen Haus erwarten.

Sein Hang zur Selbstvermarktung geht Hand in Hand mit dem starken Bedürfnis, gelobt, geliebt und bewundert zu werden. Wer dies mit Erfolg tut, hat bei Donald Trump die besten Karten. Wie seine Erwartungshaltung ist, hat sich schon nach fünf Monaten im Amt gezeigt, als er vor laufenden Fernsehkameras eine peinliche Selbstbeweihräucherung inszenierte und sich reihum von seinen Kabinettsmitgliedern in den höchsten Tönen loben ließ. Sein Stabschef dankte ihm "für die Möglichkeit und den Segen, Ihrer Agenda und dem amerikanischen Volk zu dienen". Eine Lobhudelei, in die fast alle Minister einstimmten und die eher zu Nordkorea denn zu den USA passt.

Es liegt Donald Trump nicht zu dienen. Bedient zu werden und Huldigungen entgegen zu nehmen, ist eher sein Ding. Seine Note bei dieser Führungsqualität kann daher nur "mangelhaft" lauten.

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