Samstag, 10. Dezember 2016

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Arbeiten 4.0 Wie die Digitalisierung unseren Arbeitsalltag verändert

Arbeiten 4.0 stellt auch die Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen: Dazu zählen häufiger wechselnde Arbeitsorte, wechselnde Teams, wechselnde Chefs - ob es dann dabei immer so gemütlich und harmonisch wie auf diesem Bild zugeht, ist wohl nicht immer zu unterstellen
© Maskot/Corbis
Arbeiten 4.0 stellt auch die Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen: Dazu zählen häufiger wechselnde Arbeitsorte, wechselnde Teams, wechselnde Chefs - ob es dann dabei immer so gemütlich und harmonisch wie auf diesem Bild zugeht, ist wohl nicht immer zu unterstellen

Die Zukunft der Arbeit im Rahmen der Digitalisierung vieler Lebensbereiche wird unter dem Begriff "Arbeiten 4.0" zusammengefasst. Klingt einfach, ist aber praktisch hochkompliziert: Hinter dem Schlagwort "Arbeiten 4.0" verbergen sich eine Fülle bislang ungeklärter arbeitsrechtlicher Fragen für Arbeitgeber, Führungskräfte und Mitarbeiter.

Der klassische Betrieb: ein Auslaufmodell

Was Arbeitgeber bislang unterschätzen: Die klassischen rechtlichen Strukturen von Unternehmen, Betrieb und Belegschaft halten der Wirklichkeit schon lange nicht mehr Stand. Ein Arbeitgeber betreibt inzwischen meist mehrere Betriebe, oft als Gemeinschaftsbetrieb mit mehreren - konzernverwandten oder dritten - Arbeitgebern. Arbeitgeber organisieren sich längst in Matrixstrukturen, die die gesellschaftsrechtlichen und betrieblichen Strukturen des gesetzgeberischen Grundmodells ignorieren. Der Trend geht schon jetzt und noch viel mehr in der digitalen Zukunft zu einer unternehmens- und betriebsübergreifenden Arbeitsgruppe, oft auch länderüberschreitend, die je nach Anforderung eines Projekts oder des Kunden immer neu zusammengesetzt wird. Der Arbeitgeber muss sich "out of the box" der rechtlichen Grundstrukturen organisieren und mit dem Kunden immer mehr verzahnen, digital, organisatorisch und auch personell. Doch die gesetzlichen Hürden dafür sind hoch und antiquiert.

Gesetzgeber bremst moderne Arbeitsformen

Stefan Röhrborn
  • Copyright: Pascal Amos Rest
    Pascal Amos Rest
    Dr. Stefan Röhrborn berät als Anwalt Aufsichtsräte, Vorstände und Geschäftsführer im Bereich des Arbeitsrechts und hat zahlreiche gerichtliche Verfahren zur Abwehr und Durchsetzung von Bonus- oder Schadensersatzansprüchen geführt.
Subcontracting, Arbeitnehmerüberlassung oder Freelancing - all diese Arbeitsformen gewinnen in der modernen Arbeitswelt wieder an Bedeutung. Doch die Rückwärtsbewegung des deutschen Gesetzgebers bei der Einschränkung der Arbeitnehmerüberlassung und die Anforderungen der Vergütungs- und Arbeitszeitgestaltung nach dem Mindestlohngesetz hat die Nutzung dieser Arbeitsformen massiv verkompliziert, vor allem wenn Drittpersonal eingesetzt wird. Da geht es zum Beispiel darum zu klären, ob alle Mitarbeiter einer unternehmensübergreifenden Arbeitsgruppe dem Mindestlohngesetz unterliegen, auch wenn sie länderübergreifend zusammengesetzt sind. Oder ob die Bildung einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe oder die Verzahnung mit einer Arbeitsgruppe des Kunden dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz unterworfen ist.

Moderne Strukturen der Mitarbeitervertretung sind teuer

Im Licht der Digitalisierung zwingt auch die traditionelle Betriebsverfassung den Arbeitgebern unbequeme Kompromisse auf. Sie läßt zwar grundsätzlich auch die Bildung untypischer Betriebsräte zu, die nicht dem Grundmodell des Gesetzes: "Ein Betrieb = Ein Betriebsrat" folgen. Allerdings ist der Arbeitgeber dann gezwungen, dafür einen speziellen Tarifvertrag mit der für ihn einschlägigen Gewerkschaft abzuschließen - und die Gewerkschaften lassen sich ihre Zustimmung nicht selten "teuer bezahlen". Da werden dann gleich auch Forderungen nach Tarifbindung des Unternehmens in Bezug auf Vergütung oder Kündigungsschutz gestellt. Schlanke, flexible und an den modernen operativen Strukturen orientierte Mitarbeitervertretungen haben einen hohen Preis.

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