Donnerstag, 18. Oktober 2018

mm-Studie zu Vermögen in Deutschland Die Großaktionäre von BMW sind die reichsten Deutschen

Stefan Quandt und Susanne Klatten bei der "Hall of Fame der deutschen Wirtschaft" des manager magazins im Juni 2015
Wolfgang von Brauchitsch für mm
Stefan Quandt und Susanne Klatten bei der "Hall of Fame der deutschen Wirtschaft" des manager magazins im Juni 2015

Stefan Quandt und Susanne Klatten sind die reichsten Deutschen. Größte Verlierer unter den Top 10 sind Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler. Erstmals gibt es in Deutschland 200 Milliardäre.

Mit einem Vermögen von 34 Milliarden Euro sind die Großaktionäre des Autoherstellers BMW, Stefan Quandt (52) und Susanne Klatten (56), die reichsten Deutschen. Das ergibt die neueste Schätzung des Vermögens der 1001 reichsten Deutschen, die manager magazin Anfang Oktober veröffentlicht. Es ist bereits die 18. mm-Studie über die Vermögenden in Deutschland.

Quandt und Klatten besitzen 47 Prozent der Aktien von BMW. Das brachte ihnen für 2017 eine äußerst stattliche Dividende ein: Im Frühjahr überwies der bayerische Autobauer seinen beiden Großaktionären insgesamt 1,2 Milliarden Euro Gewinnbeteiligung.

Zu verdanken haben die Geschwister ihre BMW-Beteiligung ihrem Vater Herbert Quandt (1910 bis 1982). Der Industrielle war 1960 beim schlingernden Münchener Autobauer eingestiegen - ein äußerst riskantes Manöver, das sich für seine Nachfahren aber mehr als gelohnt hat.

Das Vermögen der zweitplatzierten Reimanns, die vergangenes Jahr erstmals Platz 1 belegt hatten, stagnierte nach mm-Schätzung zuletzt bei 33 Milliarden Euro. Die Familie hat innerhalb weniger Jahre einen der größten Kaffeekonzerne der Welt geschaffen und ihn Anfang des Jahres mit der Übernahme des US-Limonadenkonzerns Dr Pepper Snapple ergänzt und an die New Yorker Börse gebracht. Der Einstieg ihrer JAB Holding ins Luxusgeschäft ging allerdings schief, und die Aktienkurse der Beteiligungen stiegen zuletzt kaum.

Mit einem Vermögen von 25 Milliarden Euro rangiert Dieter Schwarz (79) auf Platz 3. Sein Discounter Lidl entwickelt sich deutlich dynamischer als die Geschäfte seiner Erzrivalen Aldi Nord und Aldi Süd, beide in Besitz der Nachfahren der Gründerbrüder Theo (1922 bis 2010) und Karl Albrecht (1920 bis 2014). Der von Schwarz kontrollierte Handelskonzern, zu dem auch die Großmarktkette Kaufland gehört, dürfte in diesem Jahr einen Umsatz von 100 Milliarden Euro erreichen.

Von Rang 3 auf 6 zurückgefallen sind Georg (53) und Maria-Elisabeth (77) Schaeffler, Eigentümer des gleichnamigen Wälzlagerherstellers mit Sitz in Herzogenaurach und Großaktionäre beim Hannoveraner Autozulieferer Continental. Beide Unternehmen leiden unter einer schlechten Geschäftsentwicklung und gesunkenen Aktienkursen, sodass das Vermögen von Mutter und Sohn Schaeffler von 22 auf 17 Milliarden Euro zurückgegangen ist.

Insgesamt neigt sich die Zeit, in der die großen Vermögen scheinbar mühelos wuchsen, dem Ende zu. An vielen Weltbörsen steigen die Kurse nicht mehr so kräftig wie zuvor, Immobilienpreise und Unternehmensbewertungen nähern sich ihren Höhepunkten. Hinzu kommen konjunkturelle Sorgen aufgrund der Krise in vielen Schwellenländern und des zunehmenden Protektionismus. Die Unternehmensgewinne sind zwar noch hoch, gerade im Mittelstand. Aber die erheblich erhöhten Eigenkapitalpolster deuten darauf hin, dass sich viele Unternehmer für eine größere Wirtschaftskrise wappnen.

Die 1001 reichsten Deutschen
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Für die Rangliste wurden Aktienvermögen mit den Schlusskursen vom 14. September berechnet.

Nach Schätzungen von manager magazin gibt es 2018 in Deutschland 200 Milliardäre -das sind 13 mehr als 2017. Diese Zahl umfasst Individuen ebenso wie Großfamilien, die ein entsprechendes Vermögen gemeinsam besitzen. In der ersten Liste der reichsten Deutschen im Jahr 2001 waren es 69 Milliardäre, 2010 - nach einem leichten Rückgang durch die Weltfinanzkrise - bereits 102. In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Milliardäre in Deutschland damit fast verdoppelt.


Lesen Sie mehr: Das sind die 1001 reichsten Deutschen


Übersicht: Die zehn reichsten Deutschen 2018 und deren unternehmerische Beteiligungen

Platz 1: Susanne Klatten und Stefan Quandt

Unternehmen: BMW, München; Altana, Wesel; Delton, Bad Homburg; SGL Carbon, Wiesbaden
Auto, Beteiligungen
Vermögen: 34 Mrd. Euro (Veränderung zum Vorjahr: + 2,5 Mrd.)

Platz 2: Familie Reimann

JAB Holding, Luxemburg; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Keurig Dr Pepper, Coty, beide USA; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande
Branchen: Reinigungsmittel, Kosmetik, Heiß- und Kaltgetränke
33 Mrd. Euro (+/- 0)

Platz 3: Dieter Schwarz

Lidl, Kaufland, Neckarsulm
Einzelhandel, Immobilien
25 Mrd. Euro (+ 3 Mrd.)

Platz 4: Familien Albrecht und Heister

Aldi Süd, Mülheim/Ruhr
Einzelhandel, Immobilien
21,8 Mrd. Euro (+ 0,3 Mrd.)

Platz 5: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht

Aldi Nord, Essen
Einzelhandel, Immobilien
17,5 Mrd. Euro (- 0,5 Mrd.)

Platz 6: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler

Schaeffler, Herzogenaurach; Continental, Hannover
Autozulieferer, Maschinenbau
17 Mrd. Euro (- 5 Mrd.)

Platz 7: Familie Heinz Hermann Thiele

Knorr-Bremse, München; Vossloh, Werdohl
Autozulieferer, Bahntechnik
15 Mrd. Euro (+ 5,4 Mrd.)

Platz 8: Familie Otto

Otto Versand, ECE, beide Hamburg; Paramount, USA; Park Property, Kanada
Versandhandel, Logistik, Immobilien
13,5 Mrd. Euro (+ 0,5 Mrd.)

Platz 9: Familie Porsche

Volkswagen, Wolfsburg; Porsche, Stuttgart
Auto, Beteiligungen
12 Mrd. Euro (+ 3,5 Mrd.)

Platz 10: Klaus-Michael Kühne

Kühne + Nagel, Schweiz; Hapag-Lloyd, Hamburg
Logistik, Schifffahrt
10,5 Mrd. Euro (- 0,5 Mrd.)


Die vollständige Liste der 1001 reichsten Deutschen finden Sie auf manager magazin premium.


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