Mittwoch, 18. Juli 2018

Siezen oder Duzen? So sprechen Dax-Konzerne Bewerber an

Begrüßung
Getty Images/Westend61
Begrüßung

Schüler werden gesiezt, Ältere geduzt: Wissenschaftler haben untersucht, wie Dax-Konzerne potenzielle Bewerber im Internet begrüßen. Das Ergebnis - großes Chaos.

Wenn sich Schweizer mit ihren Geschäftspartnern auf das Du einigen, nennen sie das "Duzis machen". Ein schöner Ausdruck für ein Problem, das manche Mitarbeiter zum Grübeln bringt: Duzt man den älteren Kollegen, siezt man den jüngeren Chef? Nicht nur Kollegen sind sich unsicher, wen sie duzen oder siezen können - sondern auch die Unternehmen selbst, wie Hochschuldozent Murtaza Akbar festgestellt hat.

Der Kommunikationswissenschaftler der Hochschule Darmstadt hat untersucht, wie die 30 Dax-Konzerte Schüler, Auszubildende, Studenten, Berufseinsteiger und Berufserfahrene auf den eigenen Karriere-Webseiten und auf ihren Social-Media-Kanälen ansprechen und dabei herausgefunden: Es herrscht ein großes Du-Sie-Chaos.

Die Allianz und VW wechseln die Ansprache je nach Plattform: Auf der eigenen Webseite werden alle Zielgruppen gesiezt, auf den Social-Media-Kanälen werden sie geduzt. "Gewinnen Sie einen Eindruck - mit einem Schülerpraktikum bei Volkswagen", schreibt der Autokonzern auf seiner Webseite und siezt damit Schüler. Auf dem Facebook-Kanal heißt es dagegen: "Du bist ein echtes Verkaufstalent? Dann bewirb Dich als Key Account Manager/in International bei Volkswagen".

Studie zur Ansprache von Bewerbern
Welche Plattformen wurden untersucht?
Um zu analysieren, wie ein Dax-Konzern seine Bewerber anspricht, wurden sowohl der offizielle Karrierebereich seiner Webseite als auch die entsprechenden konzerngeführten offiziellen Karriere-Social-Media-Kanäle oder, sofern nicht vorhanden, die klassischen offiziellen Social-Media-Kanäle im Zeitraum vom 1. Mai 2017 bis 26. März 2018 überprüft.
Welche Zielgruppen wurden unterschieden?
Es wurde zwischen den fünf Zielgruppen Schüler, Auszubildende, Studenten, Berufseinsteiger, Berufserfahrene unterschieden und untersucht, ob sie mit "Du" oder "Sie" angesprochen werden.
Was wurde untersucht?
Es wurde der Frage nachgegangen, welche Unterschiede es bei der jeweiligen Zielgruppenansprache gibt und inwieweit sich Ansprachen auf den Karriere-Webseiten der Konzerne von ihren Social-Media-Kanälen unterscheiden.

"Der Kanal ist den Konzernen wichtiger als die Menschen, sonst würden sie besser bei der Ansprache unterscheiden und nicht alle über einen Kamm scheren", sagt Akbar. Nur sieben der 30 Konzernen variieren ihre Ansprache auf den Social-Media-Kanälen und nutzen je nach Zielgruppe das Du oder das Sie.

Fünf Dax-Konzerne sind besonders unsicher bei der Bewerberansprache:

- Die Lufthansa duzt und siezt auf Twitter sowohl Berufseinsteiger als auch Berufserfahrene.

- Die Deutsche Börse duzt und siezt Studenten auf Instagram,

- E.on duzt und siezt Studenten auf Facebook,

- Infineon duzt und siezt Studierende auf Twitter,

- Deutsche Post siezt und duzt Berufseinsteiger auf Twitter.

"Eine individuelle Strategie bei der Bewerberansprache ist bei vielen Dax-Konzernen nicht zu erkennen", sagt Akbar und warnt Unternehmen davor, sich mit dem Duzen bei Zielgruppen auf den Social-Media-Kanälen anzubiedern. Er rät den Unternehmen daher, Bewerber stets passend anzusprechen. Das sei zwar anstrengend, wirke aber glaubwürdiger.

 kha

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