Sonntag, 11. Dezember 2016

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Merkel bei Netzwerk-Gründung "Wir wollen mehr Chefinnen in Deutschland"

Angela Merkel mal nicht in Sachen Griechenland unterwegs sondern gestern bei der Auftaktveranstaltung zur Gründung des Netzwerks "Chefsache. Wandel gestalten - für Frauen und Männer"

Elf Arbeitgeber haben gestern in Berlin ein neues Netzwerk für mehr Frauen in Führungspositionen vorgestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Schirmherrschaft übernommen und mahnt zu konkreten Ergebnissen.

Wird sie kommen? Nach erneutem Griechenland-Rettungs-Marathon in Brüssel samt kräftezehrender Nachtschicht? Sie erschien tatsächlich, die Bundeskanzlerin, im fliederfarbenen Blazer und mit nur wenigen Minuten Verspätung, in der Bosch-Repräsentanz in Berlin-Charlottenburg, wo sich gestern Nachmittag ein neues Netzwerk der Öffentlichkeit präsentierte: "Chefsache - Wandel gestalten für Frauen und Männer".

Elf Personalchefs und Unternehmensführer aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu durchzusetzen. Angela Merkel ist Schirmherrin des Projekts. Während sich die Initiatoren oben auf der Bühne präsentieren, sammelt sie unten in der ersten Reihe erst mal ein paar Sekunden Schlaf.

Rechtzeitig zum nächsten Programmpunkt, sie soll ein Grußwort sprechen, ist sie wieder fit und eilt ans Mikrofon. Ihre kurze Rede fällt merkeltypisch lakonisch aus: Frauenförderung sei eben mehr als "mit einem offenen Auge durch die Welt laufen und sagen, wo gibt's denn hier mal interessante Frauen." Die Unternehmen sollten die Sache "strategisch" angehen: "Systematisieren Sie, tauschen Sie Erfahrungen aus, und wenn wir uns wiedersehen, möchte ich mehr Frauen in Führung sehen. The proof of the pudding is the eating."

Netzwerk will "ganz oben" ansetzen, wo die Entscheidungen fallen

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Die Initiatoren der "Chefsache" nehmen den Rat artig an. McKinsey-Deutschland-Chef Cornelius Baur ist dabei, die Personalvorstände von Allianz, Bayer, Bosch und Siemens, eine mittelständische Familienunternehmerin, IBM-Deutschland-Chefin Martina Köderitz, Vertreter der Fraunhofer-Gesellschaft, der Caritas. Was sie eint, hat Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel anfangs zusammengefasst: Um "gesellschaftliche Weichenstellungen" gehe es, und um ein klares Ziel: "Wir wollen mehr Chefinnen in Deutschland!"

Dazu haben die elf Gründungsmitglieder zuvor eineinhalb Stunden hinter verschlossenen Türen diskutiert, unbequemerweise im Stehen. In der Diskussionsrunde geben sie sich zuversichtlich, das nach Meinung nicht weniger Anwesender doch eigentlich schon halb tot diskutierte Thema Frauenkarrieren und Chancengleichheit mit entscheidendem Schwung ausstatten zu können: "Wichtig, dringlich" sei die Geschlechterfrage, es gelte "keine Zeit mehr zu verlieren", sagt McKinsey-Mann Baur. Das Netzwerk setze jetzt da an, "wo Entscheidungen fallen - ganz oben." Nicht um das Unterstützen einzelner Karrieren einzelner Frauen gehe es, sondern um den "gesellschaftlichen Wandel als Ganzes."

Bayer-Personalchef: "Gemischte Teams erzielen bessere Ergebnisse"

Warum dieses Ziel nun besser erreicht werden könne als mit Hilfe all der Vorgänger-Veranstaltungen wie der "Charta der Vielfalt", der "freiwilligen Selbstverpflichtung" der Dax-Konzerne und nicht zuletzt der Frauenquote für die Aufsichtsräte, erläutert Bayer-Personalchef König. Es helfe "nach innen", Unterstützung von außen vorzeigen zu können. Bayer habe im Topmanagement "strategische Debatten" geführt: "Wir sind der Überzeugung, dass Vielfalt wichtig ist für unseren Unternehmenserfolg. Gemischte Teams erzielen bessere Ergebnisse."

Diese Erkenntnis wolle man nun in die Fläche tragen, den Tausenden Bayer-Managern soll klar werden, "dass Vielfalt ein Business Case ist." Um die 2000 Führungskräfte hat der Konzern an Eintages-Workshop teilnehmen lassen, in denen es um die Wahrnehmung von Geschlechterstereotypen und um unterschiedliches Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen ging. Wenn diese Manager sehen, dass auch andere Unternehmen das Thema ernsthaft angingen, meint König, ließen sich sie leichter überzeugen.

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