Montag, 11. Dezember 2017

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Karriere Lassen Sie sich nicht alles von sich selbst gefallen!

Mammut-Aufgabe: Lassen Sie sich von Ihren Ängsten nicht beherrschen
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Mammut-Aufgabe: Lassen Sie sich von Ihren Ängsten nicht beherrschen

"Wir fusionieren", "Wir ziehen um", "Wir strukturieren um". Diese Ankündigungen in Unternehmen werden - gefühlt - immer häufiger und sie bewirken meist Verunsicherung oder Angst.

Gefühlt soll heißen, alles ist wie immer relativ. Laut Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin liegt Deutschland mit 31 Prozent Menschen, die in den letzten drei Jahren eine Umstrukturierung erlebt haben, genau im europäischen Mittel. Und es gab zwischen 2006 und 2012 einen leichten Rückgang in Deutschland von 46 Prozent auf 42 Prozent. Wie so oft sprechen die Zahlen eine andere Sprache als unsere Wahrnehmung. Diese ist tendenziell negativ und schadet damit den Unternehmen und den Einzelnen.

Was bei Veränderungen automatisch mit uns geschieht

Zunächst einmal ist die Reaktion mit Stress ganz normal. Stress ist eine Aktivierungs- und Anpassungsreaktion des Körpers auf sich verändernde Umgebungsbedingungen. Jede Körperzelle ist damit rund um die Uhr beschäftigt. Wir können es also. Die Stressreaktion führt auch dazu, dass wir unsere körperlichen und geistigen Ressourcen mobilisieren, um zu handeln. Ohne das Stresshormon Cortisol kämen wir früh kaum aus dem Bett.

Ilona Bürgel
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    Die Psychologin Ilona Bürgel zählt zu den führenden Vertretern der Positiven Psychologie im deutschsprachigen Raum. Wie ein roter Faden zieht sich die Einladung zu einem Perspektivwechsel durch ihre Arbeit - weg von der Fixierung auf äußere Bedingungen in unserer sich ständig ändernden Welt, hin zum guten Umgang mit sich selbst. Sie will aufzeigen, wie der Spagat zwischen Lust auf Leistung und Erhalt der eigenen Ressourcen gelingen kann. Nach 15 Jahren in Führungspositionen ist sie heute Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin. Sie wurde vom Ministerium für Wirtschaft und Energie als Vorbildunternehmerin ausgezeichnet. Ilona Bürgel lebt und arbeitet in Dresden und im dänischen Århus.

Ein weiterer Automatismus hinter den negativen Gefühlen kommt vom so genannten Neulandinstinkt. Hier springen ganz alte Gehirnareale an. Deren Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. In den frühen Stadien der Menschwerdung waren Veränderungen lebensgefährlich. Weil das Wasser oder die Nahrung alle waren, man neue Lebensräume erobern musste, in denen wilde Tiere oder andere hungrige Stämme warteten. Deshalb fühlen wir uns heute bei Veränderungen so bedroht.

Ganz besonders wichtig ist zu wissen, dass es das Phänomen des katastrophischen Gehirns gibt. Auch dies ist ein menschheitsgeschichtlich alter Automatismus, sich auf Gefahren und Negatives zu konzentrieren. Damals wie heute ist es wichtig ganz schnell zu erkennen, dass wir uns schützen müssen. Früher davor, gefressen zu werden, heute davor, die Vorfahrt genommen zu bekommen.

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