Freitag, 19. Oktober 2018

Wie gute Raumgestaltung Teams besser macht Warum Kaffee-Monopole besser sind als Teeküchen-Pluralismus

Büroräume: Wie gute Kaffeeküchen die Zusammenarbeit verbessern
Lucia Bartl

Überlegen Sie einmal kurz: Wo und wie tauschen Sie sich mit den Kollegen aus? Nur per Mail? Oder nur in Meetings? Oder in einem kurzen und eiligen Plausch am Kopierer? Oder vielleicht ganz zwanglos bei einem Arbeitskaffee? Letzteres entspricht am besten dem Gedanken des Büros als Ort des Wissenstransfers, denn der persönliche und direkte Austausch mit den Kollegen ist ein zentrales Element für den Erfolg eines Teams. Um ihn zu ermöglichen, müssen wir die richtigen Räume und Arbeitsumgebungen hierfür schaffen.

Denn Grundvoraussetzung für den Dialog zwischen Mitarbeitenden ist es, dass diese sich über den Weg laufen, sehen und begegnen, kurzum: direkten persönlichen Kontakt haben. Entsprechend soll und kann die Gestaltung der Arbeitsumgebung die Begegnungen fördern, etwa durch gut platzierte und gestaltete Orte für einen Arbeitskaffee. Im "New Workspace Playbook" präsentieren wir grundlegende Ideen, Raumkonzepte sowie Tools und Tricks, mit denen Unternehmen passende Arbeitsumgebungen für den Austausch und letztlich Erfolg ihrer Teams entwickeln können. Und eines dieser Konzepte hat sogar mit Steve Jobs zu tun.

Bedürfnisse nutzen, oder: Hier muss jeder mal hin

Wer möchte schon in einem Großraumbüro arbeiten, das an eine Legehennen-Batterie erinnert? Es ist möglich, große Flächen zu beleben, indem wir dort offene Bereiche mit verschiedenen Zonen einrichten, etwa Arbeits- und Loungebereichen. Und wie ermöglichen wir dort nun Begegnungen? Indem wir einen besonderen Ort schaffen, an dem sich Leute begegnen, einen Ort, den Mitarbeiter häufig aufsuchen.

Der 2011 verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs war bei der Planung des Pixar-Hauptgebäudes hierzu einen sehr direkten Weg gegangen und hat ein sehr starkes und universell vorhandenes Bedürfnis genutzt. Jobs hat kurzerhand die Fläche um die Toiletten zum Ort des Austauschs erklärt, weil die Toiletten ein Ort sind, den jeder und jede mehrmals täglich aufsucht. Und so wurde der Campus zunächst um eine (eine!) zentrale Toilettenanlage herum geplant, mit der Idee, dass sich hier wirklich jeder, auch die letzten "Stubenhocker", früher oder später über den Weg laufen würde.

Buchtipp

Dark Horse Innovation
New Workspace Playbook: Das unverzichtbare Praxisbuch für neues Arbeiten in neuen Räumen

Murmann Publ., Mai 2018, 280 Seiten, 34 Euro

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So radikal muss ein Ort der Begegnung nicht unbedingt sein. Statt mit dem "Müssen" zu planen, kann man auch über das "Wollen" nachdenken. Also: Wie können Orte aussehen, die alle aufsuchen wollen? Hier kann man von vielen Räumlichkeiten unseres täglichen Lebens lernen: Jede Mall, jedes Geschäft, jedes Restaurant oder jede Bar ist mit dem Ziel gestaltet, Menschen anzuziehen. Ganz einfach ist es, ein Angebot von Nahrungsmitteln und Getränken bereitzustellen. Dies wirkt extrem anziehend. In allen Kulturen und seit Tausenden von Jahren finden menschliche Begegnungen immer wieder anlässlich eines gemeinsamen Essens und Trinkens statt, das quasi als "Austauschplattform" dient: "Lass uns mal auf einen Kaffee treffen!" "Das klären wir mal beim gemeinsamen Bier." "Ihr seid herzlich zum Abendessen eingeladen." "Oma hat einen Kuchen gemacht!"

Austausch dank Kaffee-Monopol statt Teeküchen-Pluralismus

Essen und Trinken bringen uns zusammen. Dieses einfache Prinzip des Austauschs machen wir uns zum Beispiel mit Teeküchen, Kaffeeecken und Wasserspendern zunutze, wenn auch häufig unbewusst. Hier treffen Menschen aufeinander und reden miteinander, weil das Zubereiten von Kaffee oder Tee und sogar das Füllen eines Bechers mit Wasser ja seine Zeit dauert. Das Problem dieser Orte ist, dass sie viel zu klein sind. Eine typisch deutsche Teeküche ist mit zwei Personen ausgelastet und mit dreien eigentlich schon nicht mehr nutzbar. Weil aber 30 Kollegen ihren Kaffee wollen, ist die Aufenthaltsdauer jedes einzelnen entsprechend kurz.

Zu kurz, um als Begegnung zu gelten. Ein weiteres Problem dieser Orte ist, dass es in großen Bürogebäuden zu viele von ihnen gibt - bezogen auf die Mitarbeiterzahl. Um nicht jeden Tag nur Christiane, Robert und Anna zu begegnen, sondern auch die Kollegen der anderen Teams kennen- und schätzen zu lernen, ist nicht nur eine gewisse Größe, sondern auch ein gewisses "Monopol" eines solchen Begegnungsorts wichtig. Wenn jedes Team seine eigene kleine, sagen wir 12 Quadratmeter große, Teeküche mit Senseo-Maschine unterhält, wird der Austausch mit anderen Kollegen nicht zustande kommen. Deswegen werden solche Flächen in der Gestaltung von Arbeitsumgebungen aktuell immer größer und "exklusiver" geplant und umgesetzt.

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