Freitag, 24. November 2017

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Sie suchen einen digitalresistenten Job? Werden Sie Prostituierte oder Bestatter!

Antje Neubauer
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    Claudia Kempf
    Antje Neubauer ist als Vorstandsmitglied bei "Generation CEO", dem Business Netzwerk für Frauen im Top-Management, verantwortlich für den Bereich Kommunikation. Begonnen hat sie ihre berufliche Laufbahn - nach einem Studium der Kommunikationswissenschaft, Anglistik und Psychologie - bei RWE Telliance, der Telekommunikationstochter des Essener Energiekonzerns. Heute ist sie Marketingchefin bei der Deutschen Bahn.

Bestatter müsste man sein. Oder aktiver Teil des horizontalen Gewerbes - jedenfalls wenn es um den Beruf der Zukunft geht. Beide Profile tauchen selten bis gar nicht in Überlegungen darüber auf, wie sich einzelne Berufsbilder angesichts der Digitalisierung entwickeln werden. Nicht ohne Grund: Sind doch die Tätigkeiten beider Berufsgruppen kaum automatisierbar, von administrativen Aufgaben wie dem Führen der Buchhaltung einmal abgesehen.

Okay, Cybersex ist neben dem Militär heute der größte Wachstumsmarkt für die Robotik, dennoch sind empathische, körperliche oder emotionale Dienstleistungen jenseits aller gesellschaftlichen und/oder moralischen Diskussionen ein Gebiet, auf dem Roboter den Menschen nur schwer ersetzen können wird. Prostitution gilt nicht ohne Grund als das älteste Gewerbe der Welt und wird es bleiben, weil es auch in digitalen Zeiten nur schwer substituierbar sein wird.

Jeder zweite Beruf verschwindet

Auch der Beruf des Bestatters wird sich in den nächsten Jahrzehnten als digitalresistent erweisen. Die Würde des Menschen auch nach dem Tod ist schwerlich durch eine maschinelle letzte Begleitung aufrecht zu erhalten. Kaum einen anderen Beruf bewertet der Job-Futuromat - ein Internetportal des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Aufschluss darüber gibt, wie automatisierbar einzelne Berufe sind - als derart zukunftssicher. Lediglich eine Tätigkeit, nämlich die Kenntnis über Särge und Sargausstattung, sei maschinell abbildbar. Ähnlich aussichtsreich sind Berufe wie Produktdesigner oder auch Lehrer. Hier stellt der Job-Futuromat fest, dass, Künstliche Intelligenz hin oder her, die meisten der damit verbundenen Tätigkeiten heute noch nicht automatisiert werden können.

In anderen Bereichen dagegen ist die Entwicklung dramatisch: Knapp die Hälfte aller Berufe in den USA werden mit zunehmender Digitalisierung verschwinden, so eine amerikanische Prognose aus dem Frühjahr 2017. Ähnlich sieht es auch in Deutschland aus. Alles, so der Kölner Digitalexperte und Berater Karl-Heinz Land, was automatisiert werden könne, werde in absehbarer Zeit mithilfe Künstlicher Intelligenz erledigt werden können. Allerdings geht es hierzulande bis 2030 wohl nur etwa 35 Prozent aller Jobs an den Kragen, das jedenfalls prognostiziert eine neuere Studie von PricewaterhouseCoopers.

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