Sonntag, 19. November 2017

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Sie suchen einen digitalresistenten Job? Werden Sie Prostituierte oder Bestatter!

2. Teil: IT-Jobs sind nicht die Lösung

Berufe mit Zukunft? Klar, die gibt's auch. Zum Beispiel die IT und alles, was mit Programmieren und den Einsatzszenarien der intelligenten Helfer zu tun hat. Sollte man zumindest meinen, doch eine Studie des Beratungsunternehmens Antal, in der untersucht wurde, welche Berufe derzeit die besten Chancen haben, kommt zu überraschenden Ergebnissen. So schafft es die IT lediglich auf Platz 5 in der Rangliste der aussichtsreichsten Jobs. Auf Platz 1 landete - ausgerechnet - alles, was mit der Finanzbranche zu tun hat. Dazwischen bewegen sich Kreative ebenso wie Marketingexperten oder die C-Level-Manager großer Konzerne.

Zugegeben, die Berater liefern nicht mehr als eine Momentaufnahme, aber immerhin eine, die eine Richtung aufweist und zeigt, wo sich beruflich trotz aller digitalen Umwälzungen noch Chancen bieten. Ein IAB-Forschungsbericht geht sogar noch einen Schritt weiter und berechnet den Anteil der Routinetätigkeiten aller derzeit in Deutschland existierenden 3900 Berufe. Dafür zerlegten sie jedes Berufsbild in die jeweiligen Einzeltätigkeiten und kategorisierten diese wiederum nach fünf Typen.

Wo Maschinen versagen

Nicht überraschend kommt der Bericht zu dem Schluss, dass alle analytischen und interaktiven Nicht-Routinearbeiten kaum maschinell oder mittels künstlicher Intelligenz zu bewältigen seien. Hier kann die Digitalisierung in Form von automatisierter Unterstützung lediglich hilfreich assistieren, nicht aber übernehmen. Interessanterweise belegten die Forscher aber auch, dass manuelle Nicht-Routineaufgaben zumindest in den kommenden zehn Jahren digitalresistent sein werden. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür liefert ausgerechnet das derzeit so gehypte autonome Fahren: Bei einer ungesicherten Unfallstelle, die das einprogrammierte Rechtsfahrgebot aushebelt, weil die rechte Spur gesperrt ist, versagte die Maschine, weil sie schlicht nicht wusste, was zu tun war.

Insgesamt, so die Forscher des IAB, gebe es drei Funktionen, die die Technik - zumindest in naher Zukunft - nicht werde ersetzen können. Dazu gehören Wahrnehmung und Feinmotorik, kreative Intelligenz (etwa in der Kunst, im Produktdesign, bei gefragten kreativen Problemlösungen) sowie die soziale Intelligenz (nötig beispielsweise beim Verhandeln und Überzeugen). Natürlich gibt es inzwischen technische Entwicklungen, die auch hier maschinell einspringen könnten, etwa in der Pflege. So testet man in Japan derzeit Pflegeroboter, die dem Pflegepersonal etliche Routinehandgriffe abnehmen können. Auch in der Lehre übriges: Lernsoftware könnte zumindest die Nachhilfe in weiten Teilen ersetzen.

Digitalresistenz ist möglich

Andererseits: Will man seinen an Demenz erkrankten Partner tatsächlich der pflegenden "Hand" eines Roboters überlassen? Ist die menschliche Komponente an dieser Stelle wirklich substituierbar? Und was passiert, wenn ein Netz- oder Stromausfall den Roboter handlungs- und bewegungsunfähig macht? Wer übernimmt dann die Verantwortung?

Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung überall dort an ihre Grenzen stößt, wo es menschlich wird, wo emotionale oder soziale Intelligenz gefragt ist, wo Nähe, Wärme, Empathie oder Emotionen zählen. Deshalb sollten wir unsere menschliche Überlegenheit nutzen und digitalresistent werden - und zwar überall, wo es nötig ist: in der Bildung, der Erziehung, der Pflege. Menschliches Miteinander findet nämlich in vielen Bereichen statt. Nicht nur bei Prostituierten und Bestattern.


Antje Neubauer ist Marketingchefin bei der Deutschen Bahn und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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