Dienstag, 23. Oktober 2018

Top-Frauen und ihre Erfolgsgeschichten Weiblich bleiben, männlich agieren

Aleksandra Solda-Zaccaro, 46, studierte nach einer Lehre zur Bankkauffrau Betriebswirtschaft in München.Sie leitet heute den Münchener Standort der G+J Corporate Editors GmbH

Zwölf Top-Frauen, ein Dutzend Geschichten: Zwölf erfolgreiche Managerinnen zeichnen für manager magazin online ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Medienfrau und Managerin Aleksandra Solda-Zaccaro.

Die Medienbranche fesselt mich seit meinem ersten Arbeitstag: es war der erste September 1997, der Tag nach Lady Di's Tod. Ich stieg in der Internet-Abteilung bei der Burda-Marke Traxxx ein und hatte wenig Ahnung von dem was auf mich zukam. Aber an diesem historischen Tag lernte ich gleich alle Facetten des Geschäfts kennen - vom Verhandeln mit Fotoagenturen, Korrespondenten, dem Einkauf von Papier bis hin zum Eintüten von Kooperationen zwecks Sonderheften und dazugehöriger PR.

Mittlerweile bin ich 46 und blicke auf knapp 20 Jahre Erfahrung zurück, 15 davon als Führungskraft, elf im oberen Management: Ebene "Vorstand minus zwei", bei Gruner + Jahr. Dieses Verlagshaus ist das Gegenteil dessen, was man als "männlich dominiert" betitelt. Eine Frau ist Vorstandsvorsitzende.

Seit 2012 bin ich damit betraut, den neu geschaffenen Standort im Kundenkommunikationssegment aufzubauen. Als Leiterin des Büros in München verantworte ich inzwischen die Betreuung namhafter Unternehmen in Deutschland, in Österreich, der Schweiz, Luxemburg und in Italien. Die Aufgabe ist medial und kommunikationsstrategisch. Der Fokus liegt auf dem Aufbau und dem Unterhalt von Kundenbeziehungen und der Zusammenstellung der passenden redaktionellen und projektspezifischen Teams. Ich bin Mitglied der Geschäftsführung.

Mir ist wichtig, verantwortungsvoll und im Rahmen meiner Ziele selbständig agieren zu können. Neben der Betreuung der Bestands- und der Gewinnung von Neukunden motiviere ich meine unterschiedlichsten Mitarbeiter zu permanenter Höchstleistung unter Einhaltung bestehender Budgets. Effizientes Arbeiten ist unser Alltag. Mein Stil ist herzlich in der Art und streng in der Anforderung an die Leistung. KPIs, Key Performance Indicators, deren Erreichung und die Incentivierung wie Honorierung daran, sind Alltag. Das Spannende und Herausfordernde an einer Managementaufgabe wie meiner ist das "Satellitendasein" -Teil eines großen europäischen Medienkonzerns zu sein, dabei eigenständig als Unternehmer im Unternehmen zu handeln.

Anspruch an permanente Weiterentwicklung

Geschlechtlich, altersmäßig und kompetenztechnisch gemischte Teams zu führen, gehört seit Jahren zu meinem Alltag. Wir sind in der Geschäftsleitung 50/50 Mann und Frau. Wir sind in 2014. Die gut ausgebildeten, geburtenstarken Jahrgänge sind im Amt.

Vor 13 Jahren allerdings, im Jahr 2001, als ich im Alter von 33 Jahren Direktorin in einem süddeutschen Medienunternehmen wurde, war die Führungsebene in den Medienunternehmen noch männlich dominiert. Macht das einen Unterschied? Auf jeden Fall! Denn die Ebenen, in denen man sich bewegte, waren gemischt. Erst mit dem Karriereschritt in die oberen Ebenen waren kaum mehr Frauen zu finden.

Nun war ich in dieser vielzitierten Einzelsituation angekommen, die exotische weibliche Führungskraft zu sein. Ich achtete auf einmal akribisch darauf, dass es keinen Unterschied machen darf, dass ich weiblich bin. Dass ich keinen Bonus erhalte, nur weil ich eine Frau bin. Dass ich nicht geschont werde, nur weil ich eine Frau war.

Das äußerst patriarchisch strukturierte Unternehmen, in dem ich damals arbeitete, bot eine kreative Umgebung, bei der "Trial and Error" zur Normalität gehörten.

Neben den geschäftlichen Zielen, die gesteckt waren, spielten auch die Familienkultur und die Parkettfähigkeit innerhalb dieses Familienunternehmens eine bedeutende Rolle. Eine wunderbare Voraussetzung, die Weiblichkeit weiterhin zu leben und zu lernen, mich in den männlichen Bewegungsmustern zurechtzufinden. Die Firmenkultur war außerdem geprägt vom Anspruch an permanente Weiterentwicklung - man wurde gefordert und gefördert.

Das führte dazu, dass ich 2003 die nächste Karrierestufe nahm. Natürlich war ich akribisch vorbereitet und nahm die Verantwortung sehr ernst. Inhaltlich wie netzwerktechnisch. Als Geschäftsführerin übernahm ich im Alter von 35 Jahren die Verantwortung über unterschiedliche Business Units mit in Summe knapp hundert Personen an fünf Standorten in Europa und in den USA. Ich war die erste Frau im Haus, der das gelungen ist. Fast unnötig zu erwähnen, dass mich meine Position sehr einsam machte.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH