Sonntag, 25. September 2016

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Personalmanagement Patzende Personaler

Gut im administrativen Klein-Klein, schlecht in Strategie und Wertschöpfung: Eine Studie zeigt, wie unzufrieden Geschäftsführer und Vorstände mit HR-Managern sind.

Hamburg - Wer häufiger mit Managern aus Personalabteilungen spricht, kennt das Klagelied: Die HR-Funktion ("Human Resources") werde nicht wertgeschätzt, man müsse endlich auf Augenhöhe mit dem Topmanagement agieren, stattdessen sitze man nur am Katzentisch.

Das Jammern über die eigene Rolle im Unternehmen scheint zum Job des Personalers zu gehören wie der Taschenrechner zum Controller. Seit vielen Jahren übt sich das HR-Management im Dauerspagat zwischen den Forderungen der Unternehmensleitung und den eigenen Möglichkeiten, deren Begrenztheit wahlweise den Umständen oder gleich der Unternehmensleitung angelastet wird.

Dabei sind Vorstände und Geschäftsführer mit den Leistungen von HR mindestens ebenso unzufrieden wie die Personaler mit ihrem Image. Denn dieses Image als phantasielose Administratoren ist allzu oft näher an der Wirklichkeit als mancher wahrhaben möchte. Dies zeigt aktuell eine Studie der eine Studie der Unternehmensberatung Promerit in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen und dem Personalmagazin, deren Ergebnisse manager magazin online exklusiv veröffentlicht.

Für die Untersuchung wurden 158 Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende oder Vorstände (außer Personal) befragt - allesamt also unternehmensinterne "Kunden" für HR-Arbeit. Ihr ernüchterndes Fazit: Trotz langjähriger intensiver Debatte über partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung stellt diese den Personalabteilungen nur ein sehr mittelmäßiges Zeugnis aus. Den Anforderungen werden die HR-Experten danach nur in äußerst begrenztem Ausmaß gerecht. "Oft fehlt auf HR-Seite schlicht die Phantasie, um einen sichtbaren Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten", sagt Kai Anderson, Promerit-Partner und Autor der Studie.

Nur wenige Entscheider trauen ihren Personalern etwas zu

Da mutet es geradezu ironisch an, dass HR-Themen an sich von den Firmenleitungen als essentiell eingeschätzt werden. Qualifizierte Führungskräfte zu finden, Top-Leister auf Schlüsselpositionen zu bringen, sich in Zeiten demographischen Wandels als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, Personalprozesse effizient zu organisieren und kluge Strategien für die Personalarbeit insgesamt zu entwickeln - all das und mehr wird von der Hälfte der Befragten als "sehr wichtig" für den Unternehmenserfolg eingeschätzt. Zwei Drittel gehen davon aus, dass die Themen künftig noch wichtiger werden.

Zu schade, dass ausgerechnet der HR-Funktion nicht zugetraut wird, auf diesen Feldern, die immerhin ihre Kernkompetenzen spiegeln sollten, einen relevanten Beitrag zum Erfolg der Firma zu leisten. Zwar zeigen sich gut 67 Prozent der Befragten insgesamt zufrieden mit der Arbeit des HR-Bereichs - doch ausgerechnet bei den wichtigen, wertschöpfenden Schlüsselzielen patzen die Personaler.

So halten nur 17 Prozent der Unternehmensentscheider die HR-Abteilung bei dem Ziel "qualifizierte, kompetente Führungskräfte" zu finden und zu entwickeln, für "sehr kompetent", bewerten HR also auf einer Skala von 1 bis 10 mit neun oder zehn Punkten; beim Aspekt "engagierte, leistungsbereite Mitarbeiter" sind es 18 Prozent. Die ganze Tragik der HR-Manager wird deutlich im Vergleich mit ihrem Abschneiden bei eher operativen Zielen.

Bei dem Bemühen etwa, "wettbewerbsfähige Personalkosten und Vergütungsstrukturen zu schaffen", halten 25 Prozent der Befragten die Personaler für sehr kompetent; in puncto "effiziente Personalorganisation und Personalprozesse" sind es 26 Prozent. "Viele HR-Abteilungen haben sich offensichtlich eingerichtet in administrativen Tätigkeiten und vernachlässigen wertschöpfende Ziele", bringt es Promerit-Partner Anderson auf den Punkt. "Dabei werden gerade diese von der Unternehmensführung als deutlicher wichtiger erachtet."

Beratungsbedarf von HR

Denn anders als es das Vorurteil will, sind die Firmenleitungen durchaus daran interessiert, auch bei strategischen Projekten wie Fusionen oder Übernahmen von HR begleitet und beraten zu werden. Zumal Personalarbeit direkt auf den Unternehmenserfolg durchschlägt: Jedes fünfte befragte Unternehmen musste bereits einmal Investitionen zurückstellen oder konnte Marktchancen nicht nutzen, weil die richtigen Leute fehlten.

Die Klage vieler Personaler, wenn es wirklich wichtig ist, würde HR oft übergangen, scheint also eher umgekehrt wirksam zu sein: Die selbstauferlegte Beschränkung auf klassische Themen lässt bei den Entscheidern gar nicht erst den Gedanken aufkommen, HR könne auch bei den strategischen Weichenstellungen Akzente setzen. "Eine self-fulfilling prophecy", sagt Anderson.

Diese könnte sich künftig noch verstärken. Die Unternehmensführungen erleben reaktive, unkreative Personalmanager - da, wo sie eigentlich Impulsgeber und originelle Ideen suchen. Wenn HR sich nicht stärker in Richtung wertschöpfende Ziele bewegt, sieht die Zukunft düster aus: Denn Administration lässt sich auslagern. Wertschöpfung nicht.

Eine ausführliche Fassung der Studie erscheint in der Juni-Ausgabe des "Personalmagazins".

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