Freitag, 14. Dezember 2018

Gehalt und Jobwechsel Im goldenen Käfig

Jobwechsel: Hat man im aktuellen Job alles erreicht, muss man beim neuen Job oftmals Abstriche beim Gehalt hinnehmen

3. Teil: Zäh verhandeln

Eine gute Strategie, um einen Rückschritt beim Gehalt plausibel zu machen, besteht darin, aus Sicht des Arbeitgebers zu argumentieren. Die Wiesbadener Trainerin Ute Bölke kennt mehrere solcher Fälle. Einem IT-Spezialisierten, der die Branche wechseln wollte, weil vielerorts Positionen wie seine ins Ausland verlagert wurden, empfahl sie diese Argumentation: Ich will mich breiter aufstellen, bringe aber für die neue Aufgabe wenig Erfahrung mit, also muss das Unternehmen Zeit und Geld in meine Einarbeitung investieren und deshalb beteilige mich an den Kosten, indem ich ein niedrigeres Gehalt als in meiner früheren Position akzeptiere.

In einem anderen Fall wollte eine Führungskraft nach einem Burnout einen Job ohne Personalverantwortung, vorzugsweise bei einem Arbeitgeber, der eine ausgeprägte Wertekultur lebte und die Mitarbeiter nicht verheizte.

Auf Bölkes Rat schrieb die Klientin in ihre Bewerbung: "Es ist mir bewusst, dass dieser Schritt eine Verminderung meines Einkommens nach sich zieht. Dies ist eingeplant, machbar und mit meinem Partner abgestimmt." Ansonsten hob die Umsteigerin Qualifikationen und Erfahrungen hervor, die zur Stelle passten. "Fazit: Mit gut durchdachter Argumentation und Offenheit ist ein solcher Schritt durchaus möglich, ohne als Verlierer dazustehen", sagt Bölke.

Weiterbildung, freie Tage, Sabbatical

Zähes Verhandeln hilft, die Durststrecke möglichst kurz zu halten. Beispielsweise können Bewerber während der Probezeit einen geringeren Verdienst vereinbaren, um später nachzuverhandeln. Diese Option sollte schriftlich festgeklopft werden, am besten auch gleich eine Hausnummer für die angestrebte Gehaltserhöhung nach der Probezeit. Eine weitere Möglichkeit ist, beim Fixgehalt tief zu stapeln und dafür variable Vergütungsbestandteile wie Bonus oder Gewinnbeteiligung in den Arbeitsvertrag aufzunehmen.

Zur Verhandlungsmasse gehören außerdem Dienstwagen, Weiterbildung, zusätzliche freie Tage oder die Aussicht auf ein Sabbatical. "Es ist auf jeden Fall ratsam, das gesamte Package zu betrachten", sagt Franz Bauer, Coach in Wien. "Das Gehalt sollte auch nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Passt die Stelle in ihren Karriereweg? Ist sie eine logische Fortsetzung und der nächste Schritt auf der Karriereleiter? Haben Sie sich überlegt, was für Sie ganz persönlich Karriere bedeutet? Welche Auswirkungen hat der neue Job auf ihr Privat- und Familienleben?"

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