Dienstag, 26. März 2019

Gehalt und Jobwechsel Im goldenen Käfig

Jobwechsel: Hat man im aktuellen Job alles erreicht, muss man beim neuen Job oftmals Abstriche beim Gehalt hinnehmen

2. Teil: Das Gesetz der Fallhöhe

Hesse begleitet zurzeit einen Topmanager, der es mit einer sehr speziellen Expertise zu einem Jahresgehalt von 200.000 Euro gebracht hat, allerdings im "gefährlichen" Alter, nämlich 50 plus, ist. Sein Unternehmen bietet ihm den goldenen Handschlag an, doch der Mann fühlt sich zu jung für einen Lebensabend auf dem Golfplatz. "Ich muss ihm klar machen, dass er nie wieder 200.000 Euro verdienen wird", meint Hesse, "sondern sich glücklich schätzen darf, wenn er überhaupt eine Stelle bekommt und diese mit 100.000 bis 120.000 Euro vergütet wird."

Je höher eine Führungskraft in der Gehaltsliga klettert, desto tiefer droht sie bei einem Wechsel des Arbeitgebers zu fallen. Deutlich wurde das beim Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren, als sich hoch dekorierte Internet-Spezialisten auf Normalgehälter von 60.000 bis 80.000 Euro zurechtstutzen ließen - und froh waren, überhaupt in ihrer Branche überwintern zu können. "Manche brauchten ein Jahr und mehr, um diesen Rückschritt psychisch zu verkraften und ihren Lebensstandard anzupassen", erinnert sich Hesse.

Die Dotcom-Veteranen mussten wenigstens nicht lange erklären, warum sie bereit waren, für weniger Geld zu arbeiten: Jeder wusste, wie schlecht es der Branche ging und dass der Jobverlust nichts über die Qualifikation der Bewerber aussagte.

Wie sag' ich's meinem Chef?

Ist die Lage am Arbeitsmarkt dagegen ruhig, macht Bescheidenheit oft misstrauisch. Mancher Personaler unterstellt, dass jemand, der nur noch 80 Prozent seines früheren Gehalts bekommt, auch nur noch 80 Prozent Leistung bringt. Bewerber benötigen gute Argumente, um den finanziellen Verzicht zu begründen.

Claudia Kimich, Verhandlungsexpertin und Karriere-Coach in München, berichtet von einer Bankerin, die nach der Elternpause nicht mehr als Führungskraft arbeiten wollte - inklusive Gehaltsabschlag: "Fragen wie 'Warum wollen Sie denn nicht Filialleiterin bleiben?' und Aussagen wie 'Sie sind ja überqualifiziert!' waren an der Tagesordnung.

Allerdings lag die Erklärung in diesem Fall auf der Hand, dass nämlich aufgrund der familiären Situation angepasste Arbeitszeiten angestrebt wurden." Die Bank hatte ein Einsehen und gab der Frau einen Posten, der wenig Überstunden mit sich brachte.

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