Von Anja Tiedge
Beide wurden für ihre Nörgelei belächelt - dabei sprechen sie nur das aus, was insgeheim alle denken. Denn wenn es ums Geld geht, vergleicht sich jeder mit seinem Nächsten: "Das liegt in der Natur des Menschen", sagt der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno S. Frey, der sich mit ökonomischer Glücksforschung beschäftigt. "Nicht die absolute Höhe unseres Einkommens entscheidet darüber, wie zufrieden wir sind, sondern wie viel wir im Vergleich zu anderen verdienen."
Als Maßstab dienen Personen, die so alt sind wie wir, einen vergleichbaren Beruf ausüben und eine ähnliche Ausbildung haben: Kollegen, Familienangehörige, Freunde, Bekannte.
Doch auch in unserem näheren Umfeld messen wir uns nicht mit irgendwem. "Wir orientieren uns immer an denjenigen, die mehr bekommen als wir", sagt Frey. "Menschen, die weniger verdienen, berücksichtigen wir nicht." Es ist also egal, ob wir 30.000 oder 200.000 Euro jährlich bekommen - wenn der Kollege vom Schreibtisch gegenüber mehr verdient, sind wir in jedem Fall unzufrieden.
Wenn wir schlechter abschneiden, ist der Chef schuld
Und noch etwas hat der Glücksforscher beobachtet: Wer mehr verdient als sein Kollege, schreibt das seinen eigenen Fähigkeiten zu. Wer dagegen schlechter abschneidet, fühlt sich vom Chef ungerecht behandelt. "Anstatt die Ursache bei uns selbst zu suchen, geben wir unseren Mitmenschen die Schuld daran, dass wir weniger verdienen."
Sind Arbeitnehmer wirklich beleidigt, wenn der Kollege mehr verdient? Glaubt man einer Studie britischer und deutscher Ökonomen, trifft das zu - allerdings nur für Ältere. Demnach sind vor allem Menschen über 45 unglücklich, wenn jemand in ihrem Umfeld mehr verdient als sie.
Bei den Jüngeren war es erstaunlicherweise umgekehrt: Sie wurden zufriedener, wenn ein Altersgenosse mit ähnlicher Bildung mehr verdiente als sie. Klingt unlogisch, lässt sich aber erklären. Die Theorie der Forscher: Die Jungen fühlen sich durch das höhere Gehalt des Kollegen angespornt und hoffen, dass auch sie eines Tages den Gehaltssprung schaffen werden.
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