Mittwoch, 4. März 2015

Karriere Chef ohne Abschluss

Topmanager ohne Hochschulabschluss sind selten - doch es gibt sie, selbst in den Vorstandsetagen der Dax-Konzerne. Allerdings werden solche Ausnahmekarrieren immer unwahrscheinlicher.

Hamburg - Die dreißig Dax-Konzerne sind nicht unbedingt für eine besonders bunt gemischte Besetzung ihrer Vorstandsposten bekannt. Frauen und Ausländer sind noch immer Ausnahmeerscheinungen. Und Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek gilt schon deshalb als Exot, weil er der einzige Ostdeutsche in der Topliga der Manager ist.

Dabei ist Jeworrek, von seinem Geburtsort im Osten der Republik einmal abgesehen, geradezu ein Musterbeispiel des typischen Dax-Vorstandes: Er hat schnell und mit sehr gutem Abschluss an einer Universität studiert, wissenschaftlich gearbeitet, dann promoviert. Nach dem Wechsel in die Wirtschaft ist er rasant in Führungspositionen aufgestiegen und für seinen Arbeitgeber für eine Weile ins Ausland gegangen.

Das ist exakt der Karriereweg, den eine Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger dieses Jahr als typisch für Dax-Vorstände identifiziert hat. Ein echter Exot ist demnach nicht Jeworrek, sondern sein Vorstands-Kollege Georg Daschner: Der für die Märkte Europa und Lateinamerika zuständige Vorstand hat es nämlich ganz ohne Hochschulabschluss zum Top-Manager gebracht.

Während all seine Vorstandskollegen bei der Munich Re Börsen-Chart zeigen sogar einen Doktortitel vor dem Namen tragen, steht in Daschners Vita schlicht: Versicherungskaufmann.

Die Regel sind weiße Männer aus großbürgerlichen Akademiker-Familien

Ein Dax-Vorstand ohne Hochschulabschluss? Fragt man Eliteforscher wie Michael Hartmann, dürfte es das eigentlich gar nicht geben. Die Führungsetagen deutscher Top-Unternehmen sind eine weitgehend geschlossene Gesellschaft: Bis an die Spitze schaffen es in der Regel weiße Männer aus großbürgerlichen Akademiker-Familien.

Und wer es allen Widerständen zum Trotz aus einer Arbeiterfamilie bis in die Führungsetage eines Großkonzerns geschafft hat, für den war - neben viel Glück und guten Beziehungen - in der Regel ein herausragendes Studium inklusive Promotion der Türöffner. "Top-Manager ohne Hochschulabschluss waren schon immer Ausnahmeerscheinungen", sagt Hartmann. "Und sie werden immer seltener."

Der Elitenforscher arbeitet gerade an einer Studie über die Karrierewege der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden in den 220 größten deutschen Unternehmen. Erste Ergebnisse zeigen: Unter den Top-Managern, die vor 1960 geboren wurden, hat jeder zehnte keinen Hochschulabschluss. Bei den jüngeren Spitzenmanagern ist nur noch jeder zwanzigste ein Nicht-Akademiker.

Die Roland-Berger-Studie bestätigt dieses Ergebnis für die Vorstandsetagen der 30 Dax-Unternehmen: Im Jahr 2011 hatten lediglich zwanzig von 181 Dax-Vorständen keinen Hochschulabschluss. "Diese Ausnahme-Karrieren findet man vor allem noch in der alten Garde", sagt Hartmann. Denn während heute schon für Einstiegsposten wie etwa Trainee-Stellen ein Hochschulabschluss vorausgesetzt wird, habe es früher durchaus Karrierewege gegeben, die Führungstalente auch ohne akademische Titel nach oben zogen.

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