Dienstag, 24. April 2018

Arbeitsmarkt Headhunter haben Hochsaison in Deutschland

Jobmarkt in Deutschland: "So gut wie hier läuft das Geschäft in keinem anderen europäischen Land", sagen Personalberater

Die Arbeitslosenzahl ist zuletzt gestiegen, doch das Geschäft der Headhunter floriert. Denn die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften ist trotz der jüngsten Konjunkturschwäche hoch. Selbst Banken müssen Mitarbeiter entlassen und gleichzeitig Spezialisten suchen.

Hamnurg - Das Ende der Ferienzeit bringt für viele Arbeitnehmer schlechte Nachrichten: Nach der Sommerpause stehen vielerorts Kürzungsrunden an. Opel startet im September mit Kurzarbeit. Zulieferer Schaeffler denkt ebenfalls laut über verkürzte Arbeitszeiten nach. Siemens Börsen-Chart zeigen will angesichts sinkender Gewinne ein Sparprogramm auflegen und prüft einen Stellenabbau. Beim angeschlagenen Handelskonzern Karstadt fallen 2000 Stellen weg. Der Energieriese RWE Börsen-Chart zeigen streicht noch mehr Stellen als ohnehin geplant. Und bei den Investmentbanken geht selbst in den Teppich-Etagen die Angst vor einer Kündigungswelle um.

Pünktlich zum Ende der Urlaubszeit meldet nun auch die Bundesagentur für Arbeit, dass die Zahl der Arbeitslosen im August um 29.000 und damit etwas stärker anstieg, als es für den Sommer- und Ferienmonat zu erwarten gewesen wäre.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin gibt trotz dieser schlechten Nachrichten Entwarnung: "Wir müssen im nächsten Halbjahr zwar mit einem Rückgang der Beschäftigung in Deutschland rechnen. Das betrifft aber nur einen kleinen Teil der Wirtschaft", sagt DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. "Die Krise im Euro-Raum trifft in erster Linie die Industrie. Hier dürften teilweise Kurzarbeit und Rückgänge bei der Beschäftigung anstehen." Gleichzeitig würden aber in anderen Wirtschaftsbereichen die Löhne kräftig anziehen. "Insgesamt wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt außerordentlich gut bleiben", sagt Junker.

Auf eine solch widersprüchliche Entwicklung am Arbeitsmarkt deuten auch die Erfahrungen von Personalberatern hin. "Normalerweise ist im dritten Quartal bei uns nicht viel los, weil in der Ferienzeit nur wenige Stellen neu besetzt werden", sagt etwa Barbara Hartmann von der Personalberatung Heads in München. "Dieses Jahr lief es aber erstaunlich gut. Aufträge kommen vor allem aus dem Konsumgüter- und Industriebereich und für Stellen vom CEO-Posten bis zum Marketing-, Vertriebs- und HR-Experten."

Personalberater: "Da das Geschäft gut läuft, stellen sie weiter ein"

Zu Beginn des Jahres hätten viele Unternehmen noch vor allem Spezialisten aus dem Finanz-Bereich gesucht, wohl auch um ihre Finanzstruktur krisensicher aufzustellen. "Mein Eindruck ist: Die Unternehmen sind vorsichtig, weil die Warnungen vor einer konjunkturellen Abschwächung lauter werden. Aber da ihr Geschäft bisher gut läuft, stellen sie weiter ein." Mancher Personaler denke sich wohl auch: Besser jetzt noch den Restschwung der Konjunktur nutzen und Personal einstellen, bevor die Budgets wieder gekürzt werden, mutmaßt Hartmann.

Auch mit der Neubesetzung von Stellen auf den obersten Führungsebenen machen Personalvermittler trotz Krisenangst noch gute Geschäfte. "Dieses Jahr lief bisher sogar außerordentlich gut", sagt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles und Vorsitzende des Branchenverbands AESC in Deutschland. "Bei Treffen mit den Kollegen aus europäischen Ländern wird allerdings klar, dass wir hier in Deutschland eine Sondersituation haben. So gut wie hier läuft das Geschäft in keinem anderen europäischen Land."

Allerdings mache sich die Krise in der Bankenbranche schmerzhaft bemerkbar. "In den Financial Services waren sehr hohe Gehälter üblich, dementsprechend hoch waren auch unsere Honorare", sagt Stimpel. Doch in anderen Branchen laufe die Vermittlung von Führungskräften derzeit so gut, dass der Zuwachs die Einbußen im Geschäft mit den Bankern sogar mehr als ausgeglichen habe.

"Wir beobachten, dass viele Unternehmen jetzt ihr Geschäft im Ausland ausbauen und dazu qualifiziertes, international erfahrenes Personal brauchen", sagt Stimpel. Die Suche nach den passenden polyglotten Kandidaten sei ebenso ein Treiber für das Geschäft der Personalberater wie die Debatte um die Frauenquote. "Viele Unternehmen tun sich schwer damit, passende weibliche Kandidaten für Führungspositionen aus den eigenen Reihen oder auf dem freien Markt zu finden. Das bedeutet für uns mehr Neugeschäft."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH