Freitag, 16. November 2018

Maria Furtwängler "Das Internet ist weiblich"

Maria Furtwängler: Tatort, Burda, Medien
Jorinde Gersina

Ab Mittwoch geht es während der "DLDwomen" Konferenz um die Zukunft der digitalen Medien. Chairwoman Maria Furtwängler, Schauspielerin und Gattin des Verlegers Hubert Burda, spricht im Interview mit manager magazin über die Macht von Frauen in der Medienwelt von morgen.

mm: Frau Furtwängler, wir treffen Sie hier in Hannover bei den Dreharbeiten für einen neuen "Tatort". Zufrieden mit der Produktion bisher?

Furtwängler: Doch. Ja. Es ist übrigens eine Doppelfolge, die im Herbst an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen gesendet wird: "Das Wegwerf-Mädchen" und "Das goldene Band". Es ist ein Wagnis. Aber wir wollen einmal versuchen, eine Geschichte etwas komplexer zu erzählen.

mm: Worum geht's?

Furtwängler: Um den Hannover-Klüngel.

mm: Um Schröder, Wulff, Maschmeyer und Konsorten?

Furtwängler: Nein, es ist reine Fiktion! Aber wir haben uns von der Realität inspirieren lassen. Die Konstellation in Hannover ist ohne Frage eine besondere. Die Verquickungen von Hell's Angels, die das Rotlichtviertel am Steintor in Hannover-Mitte kontrolliert haben, mit dem Anwalt Götz von Fromberg, der den Hell's Angels-Chef Frank Hahnebut vertritt, selbst Häuser im Steintorviertel besitzt und eng befreundet ist mit Exkanzler Gerhard Schröder, da ist viel Platz für Fantasie. Bei uns heißen die Rocker natürlich nicht Hell's Angels, sondern Hunnen. Und dann haben wir auch noch einen Superaufsteiger, der Dank seiner Nähe zur Politik überraschend viel Einfluss nimmt - und am Ende über Leichen geht.

mm: Besucht Sie Ihr Mann während der Dreharbeiten?

Furtwängler: Wenn ich drehe, bin ich tatsächlich von früh bis spät am Set, das würde sich nicht wirklich lohnen. Als wir zwei Wochen in Berlin gedreht haben, ist er gekommen. Das lässt sich ja auch besser verbinden mit anderen Terminen. Abgesehen davon fliege ich jede freie Minute nach Hause.

mm: Sie arbeiten am Drehbuch dieser Folge mit, wie man hört.

Furtwängler: Ja, wir erzählen einen Fall, der Charlotte ...

mm: ... die von Ihnen gespielte "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm ...

Furtwängler: ... sehr an die Nieren geht: Zwangsprostitution, Menschenhandel, Mädchen die etikettiert werden wie Vieh, zum Beispiel mit goldenen Bändern für die Chefs - wie auf dieser Party, die eine Versicherung für Ihre Vertreter veranstaltet hat. Wo war das noch: Budapest?

mm: Sie meinen die Hamburg-Mannheimer?

Furtwängler: Ja, das ist ein Umgang mit Frauen als Ware, der mich zutiefst erschüttert und empört. Dieser Mangel an Respekt dem Weiblichen gegenüber ist in unserer Gesellschaft immer noch sehr verbreitet. Das ist auch der Grund, warum meine Tochter und ich zusammen mit der Organisation "Ärzte für die Dritte Welt" Malisa Home auf den Philippinen gegründet haben. Wir wollen dort minderjährigen Frauen aus der Zwangsprostitution helfen. Bei den Zielen für den Sextourismus nehmen die Philippinen einen traurigen Spitzenplatz ein. Jetzt bin ich abgeschweift von unserem Film, aber nur weil das Thema mich bewegt. In unserem Tatort ist Charlotte darüber hinaus noch in eine schwierige Liebesbeziehung verstrickt, die sie emotional sehr fordert. Also keine leichte Gemengelage für den Autor. Ich kenne Charlotte am längsten und am besten, und mir macht das Schreiben auch riesig Spaß. Da bleibt es nicht aus, dass ich mitunter starken Einfluss auf die Bücher nehme.

mm: Taucht Ihr Name im Abspann als Autorin auf?

Furtwängler: Nein, das möchte ich erst, wenn eine Geschichte auch wirklich ganz und gar von mir stammt. Ich bin sehr froh, dass der Sender, insbesondere Christian Granderath vom NDR, mir den Raum gibt, mich über den darstellenden Teil hinaus so in die Entwicklung der Bücher einzubringen. Als die ersten "Tatort"-Kommissarinnen für Ordnung und Recht sorgten, galten sie bei der TV-Kritik als Beleg dafür, dass Frauen eine der letzten Männerdomänen geschliffen haben: Die Frau verkörperte nun selbst Macht, musste nicht mehr beschützt und gerettet werden, sondern brachte selbst zur Strecke. Dass Frauen im Fernsehen nicht mehr nur süßliches Beiwerk oder mütterlicher Anker sind - dazu konnte der "Tatort", glaube ich, tatsächlich einiges beitragen.

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