Samstag, 25. April 2015

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Burnout Feuerwehr mit Verspätung

Gesundheit: Was die Dax-Konzerne gegen Burnout unternehmen
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Corbis

Medizinische Check-Ups und Aufklärungsprogramme sollen Mitarbeiter vor dem Burnout schützen: Das zeigt eine Umfrage von manager magazin unter den Dax-Konzernen. Doch viele Maßnahmen gegen Burnout kommen zu spät - oder zielen in die falsche Richtung.

Hamburg - Die Reaktionen auf das Burnout-Ranking der Dax-Unternehmen, das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht, waren zweigeteilt: Offiziell hüllten sich die meisten Konzerne in Schweigen. Doch in vielen inoffiziellen Gesprächen, in Leserbriefen und E-Mails konnten zahlreiche Mitarbeiter ihre Genugtuung kaum verbergen: Endlich werde die Krankheit nicht nur abstrakt beschrieben, sondern mit der konkreten Zuordnung von Fallzahlen zu einzelnen Firmen auch auf die Agenda der Konzerne gesetzt.

Das Burnout-Ranking basiert auf einer Untersuchung der Asklepios-Klinikkette: Auf Basis der Zahl ihrer stationären Patienten haben Asklepios-Mediziner die Menge der unter Burnout-Symptomen leidenden Beschäftigten in Dax-Konzernen beziffert. manager magazin hat die Zahlen in Deutschlands erstem Burnout-Ranking aufbereitet.

Die häufigste Reaktion auf die Veröffentlichung war die Frage: Was tun denn die Unternehmen gegen die Zunahme der Burnout-Erkrankungen? Tatsächlich haben die Firmen das Ausmaß des Phänomens lange unterschätzt - und so erst die hohen Fallzahlen mit verschuldet. Jeder fünfte Beschäftigte bearbeite kurz vor dem Schlafengehen noch berufliche E-Mails, hat zum Beispiel der Bundesverband der Krankenkassen laut einem Bericht der Bild-Zeitung festgestellt. Daher gehen jetzt Firmen wie BMW, die Deutsche Telekom oder Bayer dazu über, Handy-Stress zu bekämpfen und Regeln für die Erreichbarkeit am Wochenende und nach der Arbeitszeit zu definieren.

manager magazin online hat alle 30 Dax-Konzerne um eine Übersicht aktueller oder geplanter Maßnahmen gegen die Gefahr des Ausbrennens am Arbeitsplatz gebeten. Fast alle Unternehmen schickten einen Überblick über ihre Programme; lediglich Daimler Börsen-Chart zeigen , BASF Börsen-Chart zeigen , Infineon Börsen-Chart zeigen und HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen, blieben trotz mehrfacher Aufforderung eine Antwort schuldig. Volkswagen Börsen-Chart zeigen , mit einer der niedrigsten Burnout-Quoten im Dax gesegnet, verwies auf das Interview mit Personalvorstand Horst Neumann in der aktuellen manager magazin-Ausgabe.

Lobenswerte Maßnahmen - doch sie kommen für viele zu spät

Andere, etwa die Allianz Börsen-Chart zeigen, die eine sehr hohe Fallzahl aufweist, wiesen die Zahlen des Rankings zurück. Man könne "nicht erkennen, dass unter den Mitarbeitern eine überdurchschnittliche Zahl an Burnout-Erkrankten festzustellen ist", ließ der Assekuranz-Konzern verlauten.

Die Maßnahmen, die die Unternehmen gegen die Erschöpfungskrankheit am Arbeitsplatz einsetzen oder einzusetzen planen, sind in weiten Teilen ähnlich. Medizinische Check-Ups und Sport, Vorsorgeuntersuchungen, Seminare zur Stressbewältigung oder Beratungs-Hotlines werden angeboten. Einige Firmen machen Gesundheit und Stress zum Thema regelmäßiger Mitarbeiterbefragungen; andere, darunter auch die Allianz, führen die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung zu psychischen Belastungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz durch.

Das ist lobenswert, doch abgesehen davon, dass Politik dies seit langem fordert, kommt die Maßnahme für die vielen Beschäftigten, die bereits an Burnout leiden, leider zu spät.

Sport, Zeitmanagement und Selbstbeobachtung allein reichen nicht

Eine Erkenntnis ist in vielen Unternehmen erst spät gereift: Dass der Einzelne zwar mit Sport, persönlichem Zeitmanagement und sorgfältiger Selbstbeobachtung gegen die Burnout-Gefahr angehen kann - dies aber wenig hilft, wenn die Führungskultur als Ganzes das Thema nicht ernst nimmt.

Deshalb haben jetzt viele Unternehmen begonnen, ihre Führungskräfte für die Gefahr zu sensibilisieren. "Gesund führen" heißen dann etwa entsprechende Seminare, die sicher gut gemeint sind, wenn ihre Erkenntnisse im operativen Alltag der Manager nicht gleich wieder unter den Tisch fallen.

So wird etwa in einer Umfrage des Deutschen Führungskräfteverbands (ULA) die "fehlende menschliche und soziale Anerkennung durch Vorgesetzte" als eine der Hauptursachen für den Burnout benannt, das "Bewusstsein der Vorgesetzten für die persönlichen Belastungsgrenzen der Mitarbeiter" wird nur mit einer 3+ (nach Schulnotensystem) bewertet.

Solange aber dieses Bewusstsein für die Auswirkungen schlechter Führung auf psychischen Stress noch unterentwickelt ist, solange werden die Burnout-Zahlen nicht signifikant sinken. Da helfen alle Hotlines und Situps nichts.

Überblick: Was die Dax-Konzerne gegen Burnout unternehmen

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