Samstag, 28. Mai 2016

Startup-Pioniere Die Uni als Gründungskosmos

TU Berlin: Thomas Junge, Carolin Kühnel, Rafael Strasser und Arno Zimmermann haben ihr Kaffeebecher-Problem mit Gründungsgeist gelöst

Entrepreneurship-Professuren, Förderberatungen und kostenlose Büros für kreative Studenten: Hochschulen haben sich zu Gründungsschmieden gemausert. Das ist gut so. Denn akademische Gründungen gelten als besonders innovativ.

Die Technische Uni Berlin hatte das Kaffee-Problem. Der Konsum auf dem Campus ist hoch, und die Pappbecher verstopften zunehmend die Mülleimer an den Hörsälen. Studenteninitiativen hatten all die Becherberge einmal demonstrativ aufgetürmt - zu mehr Umweltbewusstsein führte auch das nicht.

Bis Rafael Strasser (23) und seine Kommilitonen die zündende Idee hatten: Statt in Papp- sollte der Kaffee in Mehrwegbechern aus Plastik ausgeschenkt werden, die anschließend in Extrabehältern neben den Mülleimern geworfen werden können. Dort werden sie einmal am Tag abgeholt, gespült und wiederverwendet. Der To-Go-Komfort ist der gleiche, der Müll aber weg. "Ein Pfandsystem würde an der Uni nicht funktionieren", meint Wirtschaftsingenieur-Student Strasser. "Kein Student will Wege doppelt laufen, nur um einen Becher zurückzubringen."

Strasser und seine Mitstreiter gründeten "CupCycle". An der Technischen Uni testen sie ihre Geschäftsidee bereits so erfolgreich, dass die studentischen Gründer erste Anfragen von anderen Hochschulen bekommen. "Ein Riesenerfolg", sagt Jungunternehmer Strasser. "Damit hätten wir nie gerechnet."

Die TU Berlin hat sich auf die Fahnen geschrieben, Existenzgründungen ihrer Doktoranden, Absolventen und Studenten nach Kräften zu fördern - und ist damit nicht allein. In den vergangenen Jahren haben viele Hochschulen den Gründergeist entdeckt. Ende der 90er Jahre wurden die ersten Gründerlehrstühle geschaffen, inzwischen wurden an die 100 Entrepreneurship-Professuren in Deutschland besetzt.

Hochschulen entdecken den Gründergeist

So lernen Studenten neben klassischer BWL auch die besonderen Aspekte der Selbstständigkeit kennen. Viele Unis haben Beratungszentren für ihre Gründer eingerichtet oder stellen wissenschaftlichen Mitarbeitern nach der Promotion günstige Räume für die erste Phase der Selbstständigkeit zur Verfügung. Seit 1998 fördert die Bundesregierung mit dem Programm "Exist" Ausgründungen aus der Wissenschaft.

"Innerhalb Europas kann sich Deutschland damit inzwischen sehen lassen, nur Großbritannien steht noch etwas besser da", meint der Münchener Geografieprofessor Jürgen Schmude, der regelmäßig ein Gründerhochschulranking erstellt.

So viel Eifer tut Schmude zufolge allerdings auch not: "Wir haben relativ geringe Gründerzahlen aus dem akademischen Bereich. Dabei sind gerade diese Gründungen in der Regel besonders innovativ."

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