Mittwoch, 19. Dezember 2018

Machtverlust Albtraum der Alphatiere

Von Ackermann bis Oesterle: Acht prominente Abstürze
REUTERS

Nie zuvor war das Leben auf der Chefetage so gefährlich wie heute. Die globale Gemengelage und das Tempo der Veränderung machen die Mächtigen zu ohnmächtig Getriebenen. Die Angst vor dem Absturz wird zum ständigen Begleiter.

Hamburg - Herbst 2011. Ein nobler Landsitz im Land, wo die Zitronen blühen, der Besitzer ein namhafter Konzernherr aus München. Die grandiose Sicht über das toskanische Lucca genießt ein kleiner Kreis von Auserwählten, allesamt Vorstände und Chief Executive Officers aus Daxland. In Sachen Schönheit und auch Historie sind sie auf einem einzigartigen Fleck. Schacherte hier doch einst Julius Cäsar mit seinen Gegenspielern Crassus und Pompeius um imperiale Einflussnahmen.

Trotz der angenehmen Temperatur scheint ein Frösteln durch die Luft zu sirren. Sind es die Moleküle der politisch wie ökonomisch wirren Zeit? Hallen noch die Worte des renommierten Gehirnforschers Gerald Hüther nach, der nach dem Frühstück ermunternde Worte an die teutonischen Granden richtete und aussprach, was diese selbst täglich und hautnah mitbekommen: "Jeder in Politik und Wirtschaft weiß, dass wir am Rande eines Transformationsprozesses stehen, dass etwas ganz anders werden muss. Aber keiner weiß, wie das gehen soll."

Veränderung macht Angst. Spätestens an dieser Stelle gebärden sich Ökonomie und Psychologie wie siamesische Zwillinge.

Ein Weitermachen wie bisher wäre der sichere Untergang

Konnten die Unternehmenschefs früher, wenn sie strategischer Fantasie entbehrten, einfach weitermachen wie eh und je, wäre das heute ihr sicherer Untergang. Im Tagesrhythmus beinah werden die Risiken des Big Business dramatischer, die Märkte volatiler, die technologischen Sprünge gigantischer, die globalen Verwicklungen komplexer. In Blitzgeschwindigkeit können sich neue Gefahren auftun. Normalität scheint für immer perdu, der Ausnahmezustand hat sich eingerichtet in der Weltwirtschaft.

Der grundlegende Wandel, der derzeit vonstatten geht, interpretiert der einst mächtigste Mann der Deutschland AG, der langjährige Allianz-Vorstandschef und Noch-Oberaufseher Henning Schulte-Noelle, ehedem ein Fels in der Brandung der Old Economy, gestalte sich beinahe so dramatisch wie die großen Umwälzungen zur Zeit der Renaissance. Als unter anderem die Einführung des Buchdrucks alle gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche und Schichten revolutionierte, die Entdeckung Amerikas die Neue Welt eröffnete, ein völlig neues Menschenbild sich etablierte und das Mittelalter als erledigt gelten durfte.

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