Donnerstag, 21. September 2017

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Frauenquote "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"

Karriere statt Zickenkrieg: Bleiben Sie locker, und arbeiten Sie an Ihrem Pokerface

"Nichts gegen kompetente Frauen. Aber im Vorstand? Das ist eine andere Liga." Als Managerin ist Barbara Schneider dieser Einstellung häufig begegnet. Heute zeigt sie Frauen, wie sie auf dem Weg in die Führungsetage schneller zum Zug kommen. Ein Gespräch über männliche Machtspiele, Zickenkrieg in Führungsetagen und strategisches Schweigen.

mm: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte vor Kurzem, er wünsche sich mehr Frauen in den Vorstand, da sie mehr Farbe und Schönheit in die Gremien bringen. Wie hätten Sie als Ackermanns Angestellte reagiert?

Schneider: Ich hätte die Augen verdreht und Herrn Ackermann stillschweigend ein Talent für Fettnäpfchen bescheinigt. Wir erinnern uns ja alle noch an sein Victory-Zeichen. Natürlich sorgen solche Sprüche für Unmut und Frustration - zumindest bei den Mitarbeiterinnen der Deutschen Bank.

mm: Man könnte auch sagen: Ackermann spricht aus, was er denkt.

Schneider: Absolut. Ein Mann sagte mal zu mir: "Nichts gegen kompetente Frauen, Frau Schneider. Aber im Vorstand? Das ist ja wohl eine andere Liga." Die Denkweise, dass Frauen in höheren Positionen ausgebootet werden und eher als Schmuck dienen, ist verbreitet. Leider.

mm: Frauen müssen sich also damit abfinden, in Unternehmen eine untergeordnete Rolle zu spielen?

Schneider: Nein. Wenn ich über solche Sprüche nicht müde lächeln kann und einfach unzufrieden bin, sollte ich mir überlegen, ob das Unternehmen noch zu mir passt. Als Mitarbeiterin der Deutschen Bank wäre ich nach einiger Zeit mit der Firmenkultur vertraut und wüsste irgendwann, wie traditionell männlich dort gedacht wird. Dann wechsele ich entweder das Unternehmen oder ich schaffe mir ein dickes Fell an. Das gibt es aber nicht von der Stange. Man muss es sich über Jahre hinweg antrainieren.

mm: Ein dickes Fell zu haben, heißt klein beizugeben?

Schneider: Nein, man sollte in solchen Situationen einfach gelassen bleiben und Sprüche wie diesen nicht an sich heranlassen.

mm: Wäre Frauen mit einer gesetzlichen Vorstandsquote gedient?

Schneider: Ganz und gar nicht. Man kann nicht alle Firmen über einen Kamm scheren. Die einen erreichen die Quote locker, für die anderen ist es ein Ding der Unmöglichkeit - zumindest innerhalb der angedachten fünf Jahre. Es gibt, salopp gesagt, große Unterschiede zwischen einem Maschinenbau- und einem Modeunternehmen. Außerdem sind die Probleme, Job und Familie miteinander zu vereinbaren, damit nicht vom Tisch. Auch die männlichen Machtstrukturen pustet man mit einer Quote nicht einfach weg. Dafür brauchen wir einen langen Atem. Es ist schlichtweg falsch, zu hoffen, dass sich von heute auf morgen alles ändert.

mm: Sie setzen also wie unsere Bundeskanzlerin noch immer auf die Freiwilligkeit von Unternehmen, Frauen auf ihrem Weg in die Chefetage zu fördern?

Schneider: Meiner Erfahrung nach kommt das Thema Frauenförderung seit zwei oder drei Jahren tatsächlich in den Köpfen der Vorgesetzten an. Aber wie gesagt: Es dauert lange, bis sich das auf den Berufsalltag der Frauen auswirkt. Deshalb finde ich es sinnvoll, den Unternehmen noch einmal zwei Jahre Zeit zu geben, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen.

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