Donnerstag, 21. September 2017

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Jobwechsel "Geld ist der schlechteste Anreiz"

Aufstieg gewünscht: Wer seine Karriere plant, sollte nicht nur auf das Einkommen schauen

Eine Firma bietet Ihnen deutlich mehr Gehalt? Vorsicht, warnt Marcus Schmidt. Der Headhunter und Buchautor weiß: Bei der Karriereplanung geht es nicht nur um das Einkommen, sondern auch um Perspektiven und Verantwortung. Ein Gehaltsprung kann auch eine Risikoprämie sein.

mm: Wenn Mitarbeiter die Firma wechseln, dann ist ein Hauptgrund wahrscheinlich das Gehalt - oder?

Schmidt: Viele lassen sich davon locken, ja. Aber aus meiner Sicht ist das eine schlechte Herangehensweise. Ich würde sogar sagen: Geld ist der schlechteste Anreiz zu wechseln.

mm: Sagen Sie als Headhunter?

Schmidt: Geld ist natürlich erst einmal leicht zu messen. Andere Faktoren muss man erst einmal umständlich in Relation setzen, um sich ein Urteil bilden zu können - etwa die Größe der Firma, die Verantwortung im Job oder die Wichtigkeit der Projekte. Wer schon öfter gewechselt hat wird aber wissen, dass das Geld doch nicht so wichtig ist. Es kann durchaus sinnvoll sein, sein Gehalt auch mal zu senken. Etwa, wenn ich zu einer besseren Marke wechsele und dadurch meinen Lebenslauf verbessere. Wenn ich eine neue Perspektive habe. Oder wenn ich einen Zuwachs an Verantwortung bekomme.

mm: Aber es ist doch attraktiv, zum Beispiel 20 Prozent mehr zu bekommen. Warum sollte man da nicht zugreifen?

Schmidt: Weil es dann oft einen Haken gibt. Sie sollten zögern, wenn das hohe Gehalt der einzige Mehrwert ist. Möglicherweise ist das eine Art Risikoprämie, weil Sie schnell wieder gefeuert werden könnten. Oder das Unternehmen braucht Sie, weil es sonst nichts zu bieten hat. Oder es sorgt sich selbst nicht ausreichend um sein Personal und muss Sie entsprechend teuer anwerben, weil sonst niemand zur Verfügung steht. Wenn ich Kandidaten eine neue Stelle anbiete, dann bemühe ich mich, einen tatsächlichen Mehrwert herauszuarbeiten.

mm: Wie wichtig ist das Gehalt allgemein für die Zufriedenheit?

Schmidt: Geld ist kein dauerhafter Motivator. Ein Bonus oder eine Erhöhung zaubert schnell ein Lächeln ins Gesicht des Angestellten, aber Anerkennung oder ein vernünftiges Arbeitsklima sind viel wichtigere Faktoren. An eine Erhöhung gewöhnen wir uns schnell, nach drei Monaten ist das nichts Besonderes mehr. Aber wenn ich immer wieder merke: Ich komme weiter, ich entwickele mich, dann ist das viel wertvoller.

mm: Was muss sonst noch hinzukommen, damit Mitarbeiter zufrieden sind?

Schmidt: Eine klare Führung. Aufgaben sollten entsprechend des Könnens verteilt werden. Man sollte gefordert, aber nicht überfordert sein. Führungskräfte sollten sich Zeit nehmen für Feedbacks, für konstruktive Kritik. Wichtig ist auch, dass Lob gerecht verteilt und dass man nicht bloßgestellt wird. Es sollte eine Atmosphäre von Anerkennung herrschen und auch eine Lernkultur. Nicht, dass einer immer alles vorgibt, sondern dass Dinge gemeinsam entwickelt werden. Das Potenzial eines jeden Einzelnen sollte genutzt werden.

mm: Was sind die größten Mythen zum Thema Zufriedenheit?

Schmidt: Zum Beispiel, dass die Work-Life-Balance den Führungskräften so wichtig ist. Die meisten Leute sprechen das in den Verhandlungen zwar an, leben es dann aber später nicht. Außerdem Status-Mythen: Wie groß ist mein Büro, wie groß mein Auto, wie groß die Führungsverantwortung und das Budget? Eigentlich ist das alles ziemlich egal. Entscheidend ist viel mehr: Macht die Aufgabe Spaß? Kann ich mich entwickeln? Kann ich meine Fähigkeiten ausleben? Passe ich in das Umfeld? Bin ich für den Erfolg meiner Arbeit selbst verantwortlich?

mm: Aber wieso haben Status-Faktoren weiterhin einen so hohen Stellenwert?

Schmidt: Weil sie oft gut sichtbar sind. Dabei ist das Büro manchmal vor allem deshalb so groß, weil ich Kunden beeindrucken soll. Was ich der Firma wirklich wert bin, das kann man vor allem daran sehen, welche Projekte ich habe.

mm: Ein großes Büro und ein schickes Auto machen nicht zufrieden?

Schmidt: Nicht nachhaltig, das merke ich aus den Gesprächen, die ich täglich führe. Das Büro kann immer noch größer werden, das Auto immer noch mehr PS haben und das Gehalt kann auch immer noch gesteigert werden. Die wahren Motivatoren sind Dinge, die ich bewegen kann, Erfolge, die ich erlebe. Und das Gefühl, nicht fremdbestimmt zu sein.


Vielen Dank fur Ihr Interesse!
Der Befragungszeitraum fur den Gehaltsreport 2013 ist abgeschlossen.

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