Sonntag, 24. Juli 2016

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ThyssenKrupp Telekom-Mann wird Finanzchef 

Guido Kerkhoff: Nach Stefan Kirsten und Alan Hippe ist Kerkhoff nun schon der dritte Finanzvorstand, den das Essener Unternehmen von außen holt

Telekom-Vorstand Guido Kerkhoff wechselt zum Industriekonzern ThyssenKrupp nach Essen. Dies erfuhr manager magazin aus Unternehmenskreisen. Bei ThyssenKrupp wird Kerkhoff Finanzchef Alan Hippe ablösen, der zum Pharmakonzern Roche wechselt.

Hamburg - Bei der Deutschen Telekom war Guido Kerkhoff, für das Europa-Geschäft zuständiger Vorstand, seit einiger Zeit nicht mehr recht zufrieden. Nun hat er die Konsequenzen gezogen und einen neuen Job gefunden. Wie manager magazin aus beteiligten Kreisen erfuhr, wechselt der 43-jährige Manager als Finanzchef zum Industriekonzern ThyssenKrupp nach Essen.

Bei seinem neuen Arbeitsgeber wird Kerkhoff demnächst den gefrusteten Alan Hippe (44) ablösen. Der hatte Mitte Januar als CFO von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen gekündigt. Ab April will er in gleicher Funktion beim Schweizer Pharmakonzern Roche Börsen-Chart zeigen durchstarten.

Kerkhoff gilt als exzellenter Zahlenmann. Bei der Deutschen Telekom leitete er einige Jahre den Zentralbereich Rechnungswesen und Controlling. Im März 2009 stieg er in den Konzernvorstand auf. Dort führt er seitdem die europäischen Konzernbeteiligungen, zu denen vor allem wichtige Tochtergesellschaften in Griechenland, Rumänien, Ungarn, Slovakei und Kroatien zählen.

Kerkhoff vermisste Rückhalt im Topmanagement

Die Telekom setzt große Hoffnungen auf diese Märkte; sie sollen zu erwartende Rückgänge im Inlandsgeschäft ausgleichen. Allerdings bereiteten die osteuropäischen Ableger zuletzt auch einige Sorgen. Der Umsatz brach in Folge der Krise ein. Außerdem belastet ein angeblicher Korruptionsfall in Mazedonien. Kerkhoff stand deshalb unter Druck. Kritiker bemängeln, er habe nicht energisch genug durchgegriffen, um das Geschäft wieder flott zu machen.

Kerkhoff seinerseits vermisste hingegen wohl notwendigen Rückhalt im Topmangement. Konzernprimus René Obermann und Finanzchef Timotheus Höttges sollen ihm weniger zugeneigt gewesen sein als etwa Höttges-Vorgänger Karl-Gerhard Eick.

Nun bietet ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme dem ehemaligen Telekom-Mann die Gelegenheit, seine Qualitäten erneut unter Beweis stellen. Gemeinsam mit dem gerade gestarteten Vormann Heinrich Hiesinger muss Kerkhoff die Neuausrichtung des stahllastigen Konglomerats mit gestalten. Das eröffnet Freiräume.

Dritter Finanzchef von außen

Andererseits erfordert die Aufgabe aber auch reichlich Fingerspitzengefühl. Kerkhoff ist nach Stefan Kirsten (vormals Metro; heute Finanzchef des Wohnungsunternehmens Deutsche Annington) und Alan Hippe (vormals Continental) der dritte Finanzchef, den ThyssenKrupp von außen geholt hat.

Sowohl Kirsten als auch Hippe war es nicht gelungen, sich in die Kultur des Familienkonzerns (Haupteigentümer ist die von Berthold Beitz gelenkte Krupp-Stiftung) einzufügen. Beide Manager agierten für den Geschmack des ThyssenKrupp-Establishments häufig zu forsch. Trotzdem hatten sich erst Kirsten und dann Hippe Hoffnungen gemacht, auf die Nummer-Eins-Position vorzurücken. Als ihnen dieser Aufstieg verwehrt wurde, suchten sie den Abgang.

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