Montag, 23. Juli 2018

Testergebnis Junge Chefs führen erstaunlich gut

Erfahrung gegen Flexibilität: Während ältere Manager die stabilen 1990er Jahre erlebt haben, wurden die jungen Chefs durch wirtschaftliche Unsicherheit geprägt

Erfahrene Chefs verfügen über mehr Führungskompetenzen als ihre jungen Kollegen, zeigt ein Testergebnis des manager magazin. Doch der Vorsprung ist knapp - und in zwei Feldern sind junge Chefs sogar besser.

Hamburg - Viele Nachwuchs-Chefs entwickeln schon nach erstaunlich kurzer Zeit beachtliche Führungsfähigkeiten. Dies ist eines der Ergebnisse des Cheftests des manager magazins und des Karrierenetzwerks Xing, bei dem in den vergangenen Monaten knapp 150.000 Teilnehmer mitgemacht haben.

Während die Kompetenzunterschiede zwischen Mitarbeitern ohne Führungsaufgaben und Chefs noch relativ deutliche Unterschiede aufweisen, unterscheiden sich die Chefs der amtierenden und der nächsten Generation in der Gesamtwertung kaum.

Bei der Umsetzungskompetenz und der allgemeinen Fähigkeit zur Leitung eines Teams liegen die alten Chefs dabei deutlich vor der nachwachsenden Generation. "Routinierte Manager haben einen reichen Schatz an Erfahrungswissen, das hilft ihnen natürlich dabei, Situationen souverän zu lösen", sagt Klaus-Peter Gushurst, Seniorpartner bei der Managementberatung Booz.

Auch das richtige Gefühl für die Förderung der Teammitglieder ist eine Eigenschaft, die sich oft mit dem Alter einstellt. Denn je weniger Aufmerksamkeit ein routinierter Manager für seine Selbstorganisation braucht, desto intensiver kann er sich Teamprozessen widmen. "Mit der Zeit entwickeln viele Manager ein besseres Gespür dafür, andere zu fördern anstatt auf sich selbst zu schauen", so Gushurst.

Genau umgekehrt sieht das Bild jedoch in den Kompetenzfeldern "Umgang mit Unsicherheit" und "Umgang mit einem volatilen Geschäftsumfeld" aus. Hier liegen die Jungmanager unter 40 mit maximal fünf Jahren Führungserfahrung vor ihren älteren Mitstreitern.

Kein Wunder, findet Managementberater Gushurst: "Während viele erfahrene Chefs ihre unternehmerische Sozialisation in der stabilen Wirtschaftsphase der 1990er Jahre erlebt haben, sind die Jungen vom Auf und Ab seit dem Ende des Neuen Marktes geprägt." Das habe ihnen die Kompetenz vermittelt, Probleme nicht mit schablonenhaften Lösungen aus dem eigenen Erfahrungsschatz anzugehen, sondern als neue Lernmöglichkeit zu begreifen.

Hinzu kommt ein Generationeneffekt: Mit zunehmender Routine neigen Manager dazu, Situationen aus ihrem Erfahrungsschatz zu beurteilen - und verkennen dann zum Teil, dass eigentlich eine völlig neue Lösung notwendig wäre.

Gushurst sieht aber auch einen negativen Effekt, der sich aus den schnellen Wendungen der Weltwirtschaft im vergangenen Jahrzehnt ergeben hat: "Viele Manager sind heute nicht mehr in der Lage, langfristige Megatrends in ihre Planung einzubinden." Denn die Planungszyklen betrügen in den meisten Unternehmen im besten Falle noch drei Jahre - nur in Dekaden erfassbare Trends wie der demografische Wandel oder die Veränderung des Weltklimas könne man da nicht mehr berücksichtigen.

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