Donnerstag, 15. November 2018

Forscher-Hall-of-Fame In bester Gesellschaft

Hall of Fame der deutschen Forschung: Ehrung für bahnbrechende Innovationen
Wolfgang von Brauchitsch

Rund 90 Führungskräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik feierten im ehemaligen Berliner Kommandantenhaus die neuen Laureaten der Hall of Fame der deutschen Forschung. Dabei wurden ungewöhnliche Verbindungen entdeckt und klare Forderungen an die Zukunft des Forschungsstandorts Deutschland gestellt.

Hamburg/Berlin - In der energiegeladenen Verbindung von Wissenschaft und Rock'n'Roll gipfelte gestern die Feier zur Aufnahme neuer Laureaten in die Hall of Fame der deutschen Forschung: Weil es - nach der Eröffnungsveranstaltung im vergangenen Jahr - das zweite Fest der Forscher-Ruhmeshalle war, zog Laudator Matthias Kleiner Parallelen zum zweiten Jahrgang der "Urmutter aller Ruhmeshallen", der Rock'n'Roll Hall of Fame im amerikanischen Cleveland. Dort wurden im Jahr 1987 unter anderem aufgenommen: Marvin Gaye, Aretha Franklin, B.B. King und Muddy Waters. "Sie sind also in bester Gesellschaft!" rief Kleiner, als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft sonst eher ein nüchterner Wissenschaftsmanager, den drei anwesenden Laureaten zu.

Die Spitzenforscher nahmen den Vergleich amüsiert auf. Ansonsten wurden bei der Feier im ehemaligen Berliner Kommandantenhaus - dem honorigen Anlass entsprechend - vor allem profunde Gedanken über Themen aus Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Verantwortung ausgetauscht: Zum Beispiel forderte Christian Jacobs, Senator der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), in seiner Festrede nachdrücklich Investitionen in die Bildung.

Es sei "zwingend notwendig", sagte Jacobs, "dass die bereits laufenden Maßnahmen zur Förderung des Nachwuchses in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik über die gesamte Bildungskette fortgeführt und ausgebaut werden." Christian Jacobs ist unter anderem Chairman in der gemeinnützigen Stiftung seiner Familie, die aus einem Stiftungskapital in Milliardenhöhe auch Jugendliche aus Migrantenfamilien fördert, etwa durch Sommerschulen.

Arno Balzer, Chefredakteur des manager magazins, hatte zuvor die Ziele der Hall of Fame der deutschen Forschung erläutert: "Wir wollen jene kreativen Köpfe ehren, die bahnbrechende, auf technisch-wissenschaftlicher Leistung basierende Innovationen geschaffen und damit entscheidende Impulse für das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland gegeben haben".

Aufgenommen in die Hall of Fame der deutschen Forschung wurden in diesem Jahr:

  • Manfred Eigen, Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1967 und langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Forschung in Göttingen
  • Harald zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2008 und langjähriger Direktor des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg
  • Günter Spur, Pionier der modernen Produktionswissenschaften und "Vater der Fabrik von morgen" sowie
  • Karl Ziegler, Chemie-Nobelpreisträger von 1963 und langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohleforschung in Mülheim/Ruhr (posthum).

Zu den rund 90 Gästen des Festes in der Berliner Niederlassung der Bertelsmann AG (Unter den Linden 1) zählten Wirtschaftsführer wie Evonik-Chef Klaus Engel, Jürgen Kluge, langjähriger Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey und heute Vorstandsvorsitzender des Haniel-Konzerns, und Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Von der Wissenschaftsprominenz feierten unter anderem: Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz Gemeinschaft, Ulrich Buller, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft und Karlheinz Brandenburg, einst Teamleiter bei der Entwicklung des Datenkompressionsstandards MP3 und deshalb Laureat der Forscher-Hall of Fame aus dem Jahr 2009. Die letzten Gäste gingen erst lange nach Mitternacht.

Die Laureaten dieses Jahres werden ausführlich vorgestellt in der kommenden Ausgabe des manager magazins, die am 29. Oktober erscheint.

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