Donnerstag, 28. Juli 2016

Führungskräfte-Coaching "Manager werden zu rasch ausgetauscht"

Executive Coach Karin Siegle-Kvarnström im Gespräch mit manager magazin über die Schwächen deutscher Führungskräfte und die Frage, warum Personalberater oft genug den Falschen liefern.

mm: Frau Siegle-Kvarnström, nur langsam arbeitet sich die deutsche Wirtschaft aus dem Tief, die Folgen der großen Finanzkrise sind für viele Unternehmen noch lange nicht überwunden - wie geht es den Managern?

Kündigung: "Etliche Manager werden zu rasch ausgetauscht."
Siegle-Kvarnström: Das lässt sich so generalisierend nicht sagen. Ich sehe ja als Executive Coach nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Den Führungskräften, die ich berate, sitzt die Krise aber weiter im Nacken.

mm: Was berichten sie Ihnen?

Siegle-Kvarnström: Sie erzählen vom Druck, der auf ihnen lastet. Von Einsamkeit in der Führungsrolle. Von der Angst vor dem plötzlichen Karriereende, wenn sie den schärferen Anforderungen nicht gewachsen sind. Manche suchen auch eine neue Orientierung, weil sie spüren, dass sie mit bisherigen Führungs- und Verhaltensmustern nicht mehr weiterkommen.

mm: Woran scheitern diese Manager?

Siegle-Kvarnström: Viele haben sich sehr schwer damit getan, ein der krisenhaften Situation ihres Unternehmens angemessenes Führungsverhalten zu zeigen. Sie wussten nicht, wie sie ihre Mitarbeiter durch das Tal der Tränen mitnehmen sollen. Manche stehen zusätzlich unter dem Druck ihrer Kontrolleure oder Gesellschafter, die sagen: "Ja Herr X, dann machen Sie doch jetzt mal einfach eine klare Ansage!" Das sind typische Sprüche, die Manager sich gegenseitig zuwerfen, um ihre Ratlosigkeit zu verbergen.

mm: Wie helfen Sie Ihren Klienten?

Siegle-Kvarnström: Ich führe ihnen plastisch vor Augen, wie sie in bestimmten Situationen besser handeln und kommunizieren könnten. Sie prüfen in der Regel nicht die Alternativen, die sie haben und sind auf einen Lösungspfad fixiert. Vielen Topmanagern ist zudem überhaupt nicht bewusst, wie sie sich ausdrücken, und welche Wirkung ihre Art der Kommunikation auf ihre Mitarbeiter hat. Sie meinen, sie führten transparent und partnerschaftlich, und in Wahrheit herrscht auf den unteren Ebenen Orientierungslosigkeit bis nackte Angst.

mm: Das fällt schwer, zu glauben. Bei all den Assessments, die Führungskräfte heutzutage im Laufe ihrer Karriere absolvieren, bei all den "Führungsseminaren" und schlauen Rhetorikbüchern auf dem Weiterbildungsmarkt - wie können da deutsche Manager immer noch Führungsanalphabeten sein?

Siegle-Kvarnström: Statistiken belegen immer wieder, dass die Mehrzahl der Manager nach einem Jobwechsel nicht an mangelnder Fachkenntnis oder Intelligenz scheitert, sondern an den sogenannten weichen Faktoren. Oft passt der Neue nicht ins Team, weil er eben ein unangemessenes Führungsverhalten zeigt und die Kultur des neuen Unternehmens ignoriert. Ich weiß um all die Kurse, die Managern zur Verfügung stehen - ich glaube nur nicht daran, dass sie wirklich Nutzen entfalten. Der Punkt ist doch der: In der Regel spielen die weichen Faktoren bei Beförderungen nicht die entscheidende Rolle. In Deutschland wird bei der Karriere immer noch einseitig Wert auf Fachwissen und analytische Fähigkeiten gelegt. Führung lernt der junge Betriebswirt oder Ingenieur an der Universität nicht, und letztlich können sie diese auch im Job vernachlässigen - bis sie dann wirklich Macht haben. Dann wird erwartet, dass sie führen können und man wundert sich, wenn sie versagen.

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