Freitag, 16. November 2018

Hypo Real Estate Axel Wieandt tritt zurück

Paukenschlag am Tag vor der Bilanzvorlage: Der Chef der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate gibt sein Amt auf. Die Nachfolge von Axel Wieandt soll vorerst Risikovorstand Manuela Better antreten. Wieandt kam im Herbst 2008 als Sanierer von der Deutschen Bank nach München. Nun gab es Streit mit dem Rettungsfonds Soffin.

Frankfurt am Main/Unterschleißheim - Der Chef des verstaatlichen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, ist überraschend zurückgetreten. Das teilte der Bankenrettungsfonds Soffin am Donnerstag in Frankfurt mit und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe). Wieandt sei auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung von seinen Pflichten entbunden worden. Über die Nachfolge ist noch nicht entschieden. "Bis auf weiteres" soll Manuela Better die Aufgabe übernehmen, die im HRE-Vorstand für das Risikomanagement verantwortlich ist.

Axel Wieandt: Abschied nach Streit mit dem Soffin
Laut HRE begründete Wieandt den Schritt mit "unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung" zwischen ihm und dem Soffin. Die Aufsichtsräte der Hypo Real Estate und der Deutschen Pfandbriefbank hätten das Angebot mit Bedauern angenommen. Wieandt habe "wesentlichen Anteil an der Stabilisierung und Neuausrichtung des Konzerns".

Insidern zufolge hatte Wieandt mehr Freiheit gegenüber dem Alleinaktionär des Münchener Instituts gefordert. Er wollte die Kernkapitalquote über 10 Prozent halten, während Soffin-Chef Hannes Rehm einen möglichst "schonenden Umgang" mit Steuermitteln versprach. Auch soll es unterschiedliche Vorstellungen über das Gehalt gegeben haben: Wieandt habe deutlich mehr gefordert, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Im Falle von Banken, die staatlich gestützt werden, ist eine Obergrenze von 500.000 Euro brutto im Jahr vorgeschrieben. Wieandt habe "eine überaus schwierige Aufgabe übernommen und hierbei sehr gute Arbeit geleistet", sagte Rehm am Donnerstag.

Eigentlich wollte Wieandt an diesem Freitag (26. März) in München die Bilanz für das vergangene Jahr vorlegen. Finanzkreisen zufolge sank der Vorsteuerverlust auf 2,5 Milliarden Euro - weniger als halb so viel wie 2008. Schwarze Zahlen erwartet die Bank frühestens 2012. Der Immobilienfinanzierer war mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro an Garantien und bislang sechs Milliarden Euro staatlicher Kapitalbeteiligung am Leben gerettet worden. Um die verbliebenen Altaktionäre im Oktober 2009 zwangsweise abzufinden, wurde erstmals das Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz angewendet.

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