Mittwoch, 21. November 2018

France Telecom Selbstmordserie bringt Chef zu Fall

Der Machtwechsel bei France Telecom kommt früher als erwartet. Die bisherige Nummer zwei im Unternehmen, Stéphane Richard, übernimmt die Geschäfte von Didier Lombard. Der bekannte sich nach einer Selbstmordserie im Konzern zu seiner Verantwortung.

Paris - An der Spitze des französischen Telefonriesen France Telecom Börsen-Chart zeigen kommt es nach einer aufsehenerregenden Selbstmordserie unter den Beschäftigten schneller als erwartet zum Machtwechsel. Der durch die soziale Krise im Unternehmen stark geschwächte Didier Lombard wird bereits zum 1. März die Führung der Konzerngeschäfte abgeben. Künftig soll die bisherige Nummer zwei Stéphane Richard (48) als Vorstandschef für die Geschäftsführung verantwortlich sein.

Muss gehen: France-Telecom-Chef Lombard übernimmt Verantwortung für die Selbstmordserie
Lombard wolle sich als Verwaltungsratschef nur noch um die strategische und technologische Orientierung kümmern, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Die neue Führungsstruktur ist noch nicht vom Verwaltungsrat bewilligt worden. Lombard sollte ursprünglich noch rund ein Jahr länger alleiniger Chef des Konzerns mit rund 190 Millionen Kunden bleiben.

In einem Interview der französischen Tageszeitung "Le Figaro" räumte Lombard angesichts der Selbstmordserie Fehler ein. "Was die dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate angeht, hätte ich gewiss früher handeln sollen", sagte der 67-Jährige. Die Probleme seien mit beiden Händen angepackt worden. Statt im Oktober hätten aber schon im August Maßnahmen ergriffen werden sollen.

France Télécom war in den vergangenen Monaten wiederholt wegen Selbstmorden von Beschäftigten am Arbeitsplatz in die Schlagzeilen geraten. Seit 2008 nahmen sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als 30 Mitarbeiter das Leben. Viele Mitarbeiter hatten ihre Suizide mit dem umfassenden Unternehmensumbau begründet. Lombard hatte dies zurückgewiesen und von einer "Selbstmordmode" gesprochen. Mehrere Gewerkschaften hatten daher einen Rücktritt Lombards gefordert.

Arbeitnehmervertreter werten die Selbsttötungen als Ergebnis unmenschlicher Arbeitsbedingungen und des Programms "time to move" zum schnellen Stellenwechsel. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern 22.000 Stellen gestrichen.

Stéphane Richard war erst kürzlich zur Nummer zwei aufgestiegen, nachdem sein Vorgänger vor dem Hintergrund der Selbstmordserie ausgewechselt worden war. Richard war von 2007 bis 2009 Kabinettsdirektor von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und steht Präsident Nicolas Sarkozy nahe. Er soll gute Drähte zu den Gewerkschaften haben.

manager magazin mit Material von dpa-afx und afp

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