Mittwoch, 19. Dezember 2018

HRE Schwere Vorwürfe gegen Funke

Grob mangelhafte Vorbereitung, fortgesetzte Verstöße gegen Bankaufsichtsrecht, Pflichtverletzung: Vor dem Landgericht München erhebt die Hypo Real Estate schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Vorstandschef Georg Funke.

München - Die mittlerweile verstaatlichte Immobilien- und Pfandbriefbank Hypo Real Estate (HRE) erhebt einem Pressebericht zufolge vor dem Landgericht München schwere Vorwürfe gegen den gefeuerten ehemaligen Vorstandschef Georg Funke. Die HRE begründe die Entlassung mit fünf Kernvorwürfen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Gerichtsakten. Funke sei verantwortlich für eine grob mangelhafte Vorbereitung des 2007 erfolgten Erwerbs der in Irland ansässigen Pfandbriefbank Depfa durch die HRE.

Weist alle Schuld von sich: Georg Funke, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate
DDP
Weist alle Schuld von sich: Georg Funke, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate
Der damalige Vorstandschef habe anschließend fortgesetzte Verstöße gegen irisches Bankaufsichtsrecht nicht verhindert; er habe bei der Risikosteuerung und Risikokontrolle weitere Pflichtverletzungen begangen. Ferner soll er bei der ersten Rettungsaktion der Bundesregierung für die HRE im September 2008 die Risiken offenbar falsch dargestellt zu haben. Die Bank lastet Funke der SZ zufolge an, der Liquiditätsbedarf habe bereits kurz nach dieser Rettungsaktion um 15 Milliarden Euro nach oben korrigiert werden müssen.

Nach Ansicht der HRE hätte Funke angesichts der seit 2007 währenden Finanzkrise seine Geldstrategie rechtzeitig umstellen müssen. So sieht das auch die Münchner Staatsanwaltschaft, die gegen Funke und andere Ex-Vorstandsmitglieder der HRE ermittelt. Funke soll gegen die Sorgfaltspflichten eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters verstoßen haben. Käme auch das Landgericht zu diesem Ergebnis, dann wäre das laut SZ ein Warnsignal für alle Bankmanager.

Funkes Anwälte und die HRE wollten sich auf Anfrage der Zeitung nicht äußern. Funke selbst hat wiederholt jede Schuld von sich gewiesen. Auch bei der Staatsanwaltschaft, die ihn laut SZ schon mehrmals vernommen hat. Bei dem Gericht ist eine Klage Funkes gegen seine Ende 2008 erfolgte fristlose Kündigung anhängig. Der Manager beharrt auf Auszahlung seines ursprünglich bis 2012 laufenden Vertrages. Es geht um 3,5 Millionen Euro. Die HRE erhält mit 100 Milliarden Euro mehr Staatshilfen als jedes andere Kreditinstitut in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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