Freitag, 22. März 2019

Apobank in Not Finanzchef Herion geschasst

Günther Herion, Finanz- und Risikovorstand der Apotheker- und Ärztebank, räumt seinen Posten. Das krisengeplagte Institut soll neu ausgerichtet werden. Die größte genossenschaftliche Filialbank muss wegen der Finanzkrise neue Belastungen verkraften und braucht weitere Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe.

Frankfurt am Main- Die Apotheker- und Ärztebank trennt sich von ihrem langjährigen Finanz- und Risikochef Günther Herion. Hintergrund sei die Neuausrichtung des Instituts. Die größte genossenschaftliche Filialbank werde auf ihr 5,4 Milliarden Euro schweres Finanzportfolio 2009 zusätzliche Wertberichtigungen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich vornehmen, kündigte Bankchef Herbert Pfennig zudem am Freitag an. Ein Verlust im Gesamtjahr könne deshalb nicht ausgeschlossen werden.

In schwerer See: Die Apobank braucht erneut Hilfe

"Mit diesen Maßnahmen werden wir den Turnaround der Apobank einleiten", erklärte Pfennig, der den Chefposten im Juli dieses Jahres übernommen hatte und nun in der Bank aufräumt. Um das Eigenkapital zu entlasten, werde die Apobank eine neue Garantie der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in Anspruch nehmen.

Mit der Situation vertrauten Kreisen zufolge soll sich diese auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belaufen. Dadurch könne die Kernkapitalquote, die maßgebliche Kennziffer zur Beurteilung der Kapitalstärke einer Bank, deutlich erhöht werden. Aktuell kommt das Institut auf 6,4 Prozent. Inzwischen ist bei Banken eine Kernkapitalquote von acht Prozent oder mehr üblich.

Bereits im August mussten die Kreditgenossen der Apobank mit einer Garantie von 120 Millionen Euro aushelfen. Diese Bürgschaft läuft am 20. Dezember aus. Das Wertpapierportfolio soll bis 2014 auf rund 2,5 Milliarden Euro abgebaut werden.

Die auf Mediziner und Apotheker spezialisierte Apobank hat ein vergleichsweise großes Portfolio an strukturierten Wertpapieren in ihrer Bilanz und wurde deshalb von der globalen Finanzkrise schwer getroffen. Im ersten Halbjahr schmolz der Gewinn auf nur noch 7,6 Millionen Euro nach 56,8 Millionen im Jahr zuvor zusammen.

Das Kerngeschäft lief nach Angaben der Bank dagegen bislang besser als im Vorjahreszeitraum. Es seien mehr Kredite vergeben worden. Der Zinsüberschuss als wichtiger Ertragsbringer werde 2009 das Niveau von 2008 übertreffen. Im Vertrieb will die Bank zudem neue Berater einstellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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