Montag, 20. November 2017

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Auslandsstudium Nix wie raus hier

Bei deutschen Studenten geht der Trend zur Nestflucht - sie sind mobil wie nie. Die klassischen Lieblingsziele sind Großbritannien und die USA, ganz vorn aber liegen die kleinen Nachbarn Österreich und Niederlande. Kein Wunder, denn neben guten Unis lockt Holland die "Duitsers" mit massiver finanzieller Unterstützung.

Hamburg - Numerus clausus, Studiengebühren und volle Hörsäle, dazu das Bachelor-Wirrwarr und Hürden beim Masterstudium - da muss man ja nicht unbedingt in Deutschland studieren, wenn andere Länder so viele schöne Hochschulen haben. Und den Fremdsprachenkenntnissen hilft es allemal. Der Trend bei deutschen Studenten geht zur Nestflucht. Immer mehr junge Deutsche gönnen sich ein, zwei Semester im Ausland oder verbringen dort sogar das ganze Studium.

Nix wie weg: Immer mehr Deutsche studieren im Ausland
Corbis
Nix wie weg: Immer mehr Deutsche studieren im Ausland

Die Zahl der Auslandsstudenten ist in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2007 waren gut 90.000 deutsche Studenten an ausländischen Hochschulen eingeschrieben, ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 6700 Studenten oder 8 Prozent. Die beliebtesten Länder waren bei den deutschen Exilstudenten erneut die Niederlande und Österreich.

Fast ein Fünftel der deutschen Auslandsstudenten zog es über die grüne Grenze zu den holländischen Nachbarn. Das dürfte, neben der Flucht vor Zulassungsbeschränkungen in beliebten Fächer wie Jura und Wirtschaft, auch an der üppigen Förderung liegen, die auch Deutsche in den Niederlanden kassieren können: Studenten winken bis zu 934 Euro monatlich zur "Studienfinanciering", schreibt die Bildungsberatungsfirma Edu-Con, die im Namen holländischer Hochschule fürs Studieren in den Niederlanden wirbt.

Holland: Großzügige Förderung macht Gebühren erträglicher

Voraussetzung für das holländische Bafög ist, dass der Student 32 Stunden im Monat arbeitet und damit in die niederländische Sozialversicherung einzahlt. "Gut ein Drittel des Geldes gibt es geschenkt, ein weiteres Drittel ist abhängig vom Einkommen der Eltern, und das letzte Drittel ist ein Studentendarlehen, das zurückbezahlt werden muss", erklärt Michael Lülf, Mitarbeiter der Agentur border concepts GmbH, die im Namen von 30 niederländischen Hochschulen fürs Studieren in Holland trommelt. Die großzügige Förderung sorgt dafür, dass die holländischen Studiengebühren von 1672 Euro pro Jahr nicht all zu sehr schmerzen.

Am zweitliebsten gehen Deutsche über die Südgrenze und studieren in Österreich, wo derzeit Studenten gegen miserable Studienbedingungen rebellieren: Immerhin etwa jeder sechste der deutschen Exilanten war 2007 dort eingeschrieben. Was die Holländer freut, wird manchen Österreichern langsam zu viel - einige Rektoren und konservative Politiker moserten zuletzt lautstark über Piefkes, die ihre heimelige Alpenrepublik angeblich überfluten.

An britische Hochschulen gingen rund 13 Prozent der deutschen Auslandsstudenten. Es folgten die Schweiz, die USA und Frankreich. Die sechs beliebtesten Länder nahmen zusammen drei Viertel der im Ausland studierenden Deutschen auf. Die Zahlen setzen sich aus Daten des Statistischen Bundesamtes, der europäischen Statistikbehörde Eurostat und der Unesco zusammen.

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