Sonntag, 16. Dezember 2018

Internate Betreute Bildung

Nach Pisa-Schock und Lehrermangel vertrauen Eltern zunehmend in private Bildungsangebote. Selbst teure Internate sind kein Hemmnis, denn wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht, sind Eltern spendabel. Peter Giersiepen, Kenner der deutschen Internatsszene, gibt Tipps, worauf man bei der Auswahl der Schule achten sollte.

mm.de: Herr Giersiepen, nach einer Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besucht mittlerweile bereits jeder neunte Gymnasiast eine private Schule. Ab welchem Alter können Eltern ihre Kinder ins Internat schicken?

Zusammen leben und lernen: Schüler des Evangelischen Seminars Blaubeuren
Ev. Seminar Blaubeuren
Zusammen leben und lernen: Schüler des Evangelischen Seminars Blaubeuren
Giersiepen: Man kann kein ideales Alter ausmachen, in dem ein Kind ins Internat passen könnte. Das hängt sehr stark vom Kind ab, von der Familiensituation, vom schulischen Umfeld, oder wie es sich gerade fühlt.

Die spannende Frage ist eher: Mit welcher Intention suchen die Eltern überhaupt ein Internat? Da ist einerseits der Nachzügler, der ziemlich fit und interessiert ist und den die Eltern fördern wollen. Dann könnte sich ein Wechsel schon in der Unterstufe eignen. Andere Eltern stellen in der Mittelstufe fest, dass ihr Kind nicht in die Gänge kommt und auch nicht mehr von den Lehrern motiviert werden kann. Dann wäre ein Wechsel vor oder Ende der 10. Klasse gut. Andere Überlegungen spielen in der Oberstufe eine Rolle. Etwa, wenn ein Jugendlicher über sehr gute sprachliche Fähigkeiten verfügt, es aber an entsprechenden Angeboten mangelt.

mm.de: Die Aufenthaltsdauer an Internaten ist sehr variabel. Manche bieten nur ein Trimester (angelsächsische Variante), andere unterrichten ab der 5. Klasse, wieder andere nehmen Kinder erst ab der Mittel- oder Oberstufe auf. Wovon ist die Aufenthaltsdauer der Schüler abhängig?

Mehr zum Thema in: manager magazin 10/2009

Internate
Elitäre Umgebung, hohe Bildungsstandards - die edlen Privatschulen boomen. Wo lernen die Eliten von morgen?
Lesen Sie mehr zum Thema im manager magazin, Heft 10/2009, ab Seite 162.

Giersiepen: Nur wenn der Geldbeutel der Eltern ausreichend gefüllt ist, kommen sie auf die Idee, ihre Kinder ab der Unterstufe durchgängig auf ein Internat zu schicken. Die Dauer des Aufenthalts ist eben stark abhängig von den Finanzen. Die meisten Eltern schicken ihre Kinder in der Mittelstufe für einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren weg. In vielen Familien sind beide Eltern berufstätig, haben gar eigene Firmen oder füllen leitende Positionen aus und wollen ihre Kinder extern betreut ausbilden lassen. Generell beginnt in Deutschland die Zeit des Wechsels ab der 9. Klasse, wobei es seit der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre schon ein Jahr früher losgeht. Und seit es mehr bilinguale Fächerangebote gibt, müssen die Schüler eher wechseln, sonst gibt es sprachliche Schwierigkeiten.

mm.de: Welche Länder empfehlen Sie für einen Internatsbesuch?

Giersiepen: Allgemein sind englischsprachige Länder wegen der Sprache interessant, wobei die USA mit Vorsicht zu genießen sind. Die dortigen staatlichen wie privaten Schulen und Internate sind zu kommerzialisiert, sie haben einen ambivalenten Ruf, was ich nur bestätigen kann. Englische Internate haben nach wie vor ein gutes Image, aber auch eine stark internationale Schülerschaft, sodass deutsche Schüler weniger oft mit englischen Muttersprachlern zusammenwohnen. Kanadische Institute sind deutlich besser als im Nachbarland. Und es gibt auch Eltern, die ihre Kinder gleich nach Japan oder Spanien oder Südamerika schicken. Das ist aber die Minderheit.

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