Freitag, 14. Dezember 2018

Internate Betreute Bildung

4. Teil: Abschlüsse, Stipendien, Hochbegabte

mm.de: Einige Schüler erwerben im Ausland Abschlüsse. Wie wichtig ist die Anerkennung etwa des International Baccalaureate (IB) oder A-Levels?

Stipendien für das Internat: Förderungswürdige erhalten Zuschüsse
Aloisiuskolleg in Bonn
Stipendien für das Internat: Förderungswürdige erhalten Zuschüsse
Giersiepen: Eltern sollten sich vorab genau erkundigen, ob der geplante Abschluss im jeweiligen Land hier anerkannt wird. Manche Schulen im Ausland besitzen die Anerkennung ihrer Abschlüsse durch deutsche Kultusbehörden. Dann sind die Lehrinhalte in den einzelnen Fächern in Ordnung. Eine weitere Möglichkeit wäre eine sogenannte Feststellungsprüfung, die deutsche Schulen anbieten, um die sprachlichen Fähigkeiten zu prüfen. Nachfragen im Einzelfall lohnt immer, dann ist man auf der sicheren Seite. Englische A-Level werden hierzulande akzeptiert, allerdings nur für die passende Studienfachkombination. Ähnlich verhält es sich mit dem International Baccalaureate, das inzwischen an fast 2000 Schulen weltweit erworben werden kann. Insgesamt geht der Trend zu mehr Wohlwollen bei der Anerkennung, was dem Bologna-Prozess zu verdanken ist.

mm.de: Wie viele Plätze stehen für Stipendien an den Internaten zur Verfügung?

Giersiepen: Grundsätzlich haben alle Internate ein Stipendienprogramm. Nur die Größe des Stipendientopfs variiert und ist überdies top secret. Wenn die 20 Prozent Förderung, mit der einige Internate werben, nicht ausreicht, können sich Eltern an andere Institutionen und Stiftungen wenden. Aber solche Förderungswege sind potenziell sowieso nur für einen kleinen Anteil der Schüler relevant.

mm.de: Sind Internate auf die Förderung Hochbegabter eingestellt?

Giersiepen: Es gibt wenige Hochbegabteninternate, die sich auf leistungsstarke und belastbare Kinder spezialisiert haben. Sankt Afra in Sachsen und die Landesschule Pforta sind mit die anspruchsvollsten auf diesem Sektor und bieten ein überdurchschnittliches Programm. Die Landesregierungen oder die kirchlichen Träger versuchen generell, jeweils eine solche Einrichtung zu unterstützen, weswegen Schulgebühren dann oft wegfallen und nur Kost und Logis bezahlt werden müssen. Über Public-Private-Partnership-Modelle unterstützen auch Unternehmen die Förderung Hochbegabter, wie das Beispiel Internatsschule Schloss Hansenberg zeigt.

Doch es gibt auch Internate, die zwar Hochbegabte werben, aber eher darauf abzielen, leistungsstarke Schüler zu sammeln. Schüler, die in Geige, Klavier, Mathematik und Englisch sehr gute Noten haben und dann noch ein exponiertes Hobby pflegen. Aber nicht gesucht sind diejenigen Schüler, die eine ganze Klasse "stören", weil sie unterfordert sind. Fest steht, die wirklich guten Internate sind sozial immer auch gemischt, und haben einen großem Stipendientopf.

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH