Freitag, 16. November 2018

Orchideenfächer Erfolgreiche Exoten

Selten sind sie und nach Meinung vieler Experten durchaus wertvoll: Orchideenfächer an deutschen Hochschulen. Unter Mongolistik, Bohemistik oder Ägyptologie können sich Außenstehende wenig vorstellen. Absolventen haben als Quereinsteiger trotzdem gute Chancen auf dem Jobmarkt.

Hamburg - Meist sind es die Geisteswissenschaften, in denen die Fächer mit einer Handvoll Professoren und ein paar Dutzend Studierenden angesiedelt sind. Doch es gibt auch naturwissenschaftliche Disziplinen wie Mineralogie, die zu den Orchideenfächern gezählt werden.

Wichtig etwa in der Lasertechnik: Mineralogen züchten und untersuchen Kristalle
Jüngst sprach sich der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart für den Erhalt dieser Studiengänge aus. An den Hochschulen seines Landes halte er sie für "absolut unverzichtbar". Die kleinen Fächer seien "gut in der Lehre und teilweise Spitze in der Forschung".

Und damit nicht genug: Wer Baltistik oder Arabistik für brotlose Kunst hält und Absolventen auf dem direkten Weg in ein Leben als Taxifahrer sieht, wird von Experten eines Besseren belehrt. Noch im frühen 20. Jahrhundert habe die Quantenphysik innerhalb der Physik als Orchideenfach gegolten, sagt Jens Hohensee in Hamburg, der für die Beraterfirma Kienbaum arbeitet. Die Chancen seien nicht schlecht, als Exot unter den Absolventen in einer Unternehmensberatung, einem großen Industrie- oder Wirtschaftsunternehmen unterzukommen, sagt der Berater, der selbst Geschichte, Politikwissenschaft und Arabistik studiert hat.

So würden bei vielen Auswahlverfahren einige Prozent der Plätze speziell für jene Absolventen offengehalten, die nicht aus den Wirtschaftswissenschaften, dem Ingenieurwesen oder der Juristerei kommen, erläutert er. "Gerade die Geisteswissenschaftler können frisches Denken reinbringen." Auch hätten sie ein hohes Maß an Flexibilität und eine rasche Auffassungsgabe, die ihnen hilft, sich schnell in neue Wissensgebiete einzuarbeiten.

"Nur 50 Prozent des Erfolgs hängt von der fachlichen Qualifikation ab", betont Hohensee. Die andere Hälfte machten die Soft Skills aus, von denen Geistes- und Sozialwissenschaftler häufig mehr besitzen: "Dazu gehören nicht nur die Team- und Kommunikationsfähigkeit, sondern auch die Fähigkeit, sich schnell auf neue Situationen einzulassen, Empathie und das Schaffen von Vertrauen."

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