Mittwoch, 14. November 2018

Milliardenklage Siemens droht von Pierer

Siemens erhöht den Druck auf ehemalige Vorstände, um sie zu einem millionenschweren Vergleich in der Schmiergeldaffäre zu bewegen. Entweder zahlen sie die von dem Konzern geforderte Summe oder sie würden auf Schadensersatz verklagt. Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer drohe damit sogar eine Klage in Milliardenhöhe, heißt es aus Konzernkreisen.

Hamburg/München - In der Aufarbeitung seiner Schmiergeldaffäre legt Siemens Börsen-Chart zeigen ehemaligen Vorständen jetzt die Daumenschrauben an - allen voran dem ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. Der Ex-Manager soll dem Konzern rund sechs Millionen Euro zahlen, sonst müsse er mit einer Milliardenklage rechnen, bestätigten Unternehmenskreise gegenüber manager-magazin.de am Mittwoch eine Meldung der "Süddeutsche Zeitung".

Weist alle Vorwürfe zurück: Ex-Vorstandschef und ehemaliger Aufsichtsratschef von Siemens, Heinrich von Pierer
Der heute tagende Aufsichtsrat werde von Pierer und weiteren ehemaligen Siemens-Managern eine Frist bis Ende Oktober setzen, um die vom Konzern jeweils eingeforderte Summe im Zuge eines Vergleichs zu bezahlen. Andernfalls werde das Unternehmen die Betroffenen verklagen. Von Pierer und sieben weitere Ex-Manager liefen dann Gefahr, mit ihrem gesamten Vermögen zu haften, heißt es aus den Kreisen.

Siemens wirft von Pierer und den anderen Ex-Managen vor, sie hätten während ihrer Amtszeit die Geschäfte des Konzerns nicht ausreichend kontrolliert. Deshalb seien die Schmiergeldzahlungen verschiedener Konzernsparten zur Erlangung von Aufträgen überhaupt erst möglich geworden. Von Pierer hat diese Vorwürfe bereits in der Vergangenheit zurückgewiesen und ein Schuldeingeständnis ebenso abgelehnt wie sein Nachfolger Klaus Kleinfeld. Von Pierers Anwalt Norbert Gatzweiler von der Kölner Kanzlei Gatzweiler & Münchhalffen war bis Mittwochmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Den Kreisen zufolge habe sich Siemens mit drei von insgesamt elf beschuldigten ehemaligen Vorständen bereits geeinigt. Die Forderungen gegen die verbleibenden acht Personen sollen zwischen zwei Millionen und sechs Millionen Euro betragen. Parameter für die Höhe der jeweiligen Forderung seien zum einem der von der Staatsanwaltschaft und dem Unternehmen unterstellte "Grad der Schuld und Verfehlungen" der Ex-Vorstände. Zum anderen orientiere sich Siemens an den Bezügen und Pensionsansprüchen seiner ehemaligen Manager, heißt es aus den Kreisen weiter.

Der durch den Korruptionsskandal entstandene Gesamtschaden soll sich eingedenk möglicher Steuernachzahlungen mittlerweile auf bis zu drei Milliarden Euro belaufen. Siemens will die Aufarbeitung der Affäre jetzt möglichst schnell abschließen und für die Ende Januar 2010 anstehende Hauptversammlung entsprechende Beschlussvorlagen erarbeiten. Demnach soll die Versammlung dann über die Einigung mit den Ex-Managern oder eine Klage gegen sie entscheiden. Der derzeitge Vorstand und Aufsichtsrat drücken in der Aufarbeitung der Affäre jetzt auch deshalb auf's Tempo, um nicht selbst von den Aktionären für den entstandenden Schaden haftbar gemacht zu werden.

mit Material von Nachrichtenagenturen

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