Freitag, 16. November 2018

Untreueverdacht Ex-IKB-Chef Ortseifen angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat Anklage gegen den früheren Chef der maroden Mittelstandsbank IKB, Stefan Ortseifen, erhoben. Ihm werden Börsenmanipulation und Untreue in vier Fällen vorgeworfen.

Düsseldorf - Die Ermittler legen Ortseifen unter anderem zur Last, im Juli 2007 eine Pressemitteilung des Vorstands veröffentlicht zu haben, in der die wirtschaftliche Betroffenheit der Bank vor der sich anbahnenden internationalen Finanzmarktkrise bewusst irreführend zu positiv dargestellt worden sei.

Angeklagt: Ex-IKB-Chef Ortseifen
Ortseifen hätte damit erreicht, dass Anleger und Investoren wieder vermehrt IKB-Aktien angekauft hätten und der Börsenkurs folglich kurzzeitig gestützt worden sei, hieß es in der Anklage. Nur eine Woche nach der Pressemitteilung stand die IKB AG wegen Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt jedoch kurz vor der Pleite, ab dem 30. Juli 2007 kam es daher laut Staatsanwaltschaft zu erdrutschartigen Kursverlusten.

Darüber hinaus soll der ehemalige IKB-Vorstandschef die Düsseldorfer Mittelstandsbank um 120.000 Euro geschädigt haben, indem er laut Anklage in drei Fällen umfangreiche Bauvorhaben an dem von ihm bewohnten, aber der Bank gehörenden "Vorstandshaus" vornehmen und durch die IKB bezahlen ließ. In einem weiteren Fall soll Ortseifen hochwertige Lautsprecherboxen bestellt und diese ohne Genehmigung über die Bank abgerechnet haben. Laut Staatsanwaltschaft wurde gegen zwei weitere ehemalige Vorstandsmitglieder der IKB wegen der bankinternen Handhabung von Baumaßnahmen an "Vorstandshäusern" der Erlass von Strafbefehlen beim Amtsgericht Düsseldorf beantragt.

Oberstaatsanwalt Michael Marx-Manthey bestätigte die Informationen gegenüber manager-magazin.de. Die Anklage werde der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf zugestellt und dort geprüft, sagte Marx-Manthey weiter. Ob die Anklage zur Verhandlung zugelassen werde, sei Entscheidung einer der beiden Wirtschaftsstrafkammern des Gerichts. Wann diese Entscheidung fallen werde, vermochte Marx-Manthey nicht zu sagen.

Vorwürfe im Zusammenhang mit Anlagen der Bank in US-Ramschhypotheken, deren Wertverluste das Institut vor zwei Jahren an den Rand der Pleite gebracht hatten, hätten sich dagegen als nicht haltbar erwiesen, sie seien nicht Gegenstand der Anklage. Ortseifen drohen nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte bereits im Sommer 2007 ein Ermittlungsverfahren gegen Ortseifen eingeleitet.

Die IKB Börsen-Chart zeigen war im Juli 2007 nach massiven Fehlspekulationen als erste deutsche Bank in den Sog der US-Immobilienkrise geraten. Ortseifen musste in der Folge zurücktreten, weitere Vorstände folgten. Ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket der Staatsbank KfW, des Bundes und privater Banken bewahrte die IKB vor der Pleite. Vor knapp einem Jahr kaufte die Investmentgesellschaft Lone Star die IKB schließlich zum Schnäppchenpreis von 100 Millionen Euro.

Die IKB hat zudem beim staatlichen Rettungsfonds Soffin Bürgschaften in Höhe von sieben Milliarden Euro beantragt. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" könnte zumindest ein Teil des Geldes bald bewilligt werden. Sollte der Bund nun tatsächlich einwilligen, wäre das nicht die erste Hilfe für die IKB. Bereits im vergangenen Dezember hatte der Staat der Mittelstandsbank Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

manager-magazin.de mit Material von ap

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