Sonntag, 9. Dezember 2018

Siemens-Skandal Ex-AUB-Chef Schelsky frei

Wilhelm Schelsky ist ein freier Mann. Der wegen Beihilfe zur Untreue, Betrugs und verschiedener Steuerdelikte zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte frühere Bundesvorsitzende der Ex-Siemens-Arbeitnehmerorganisation AUB hat das Gefängnis in Nürnberg verlassen. Das dortige Oberlandesgericht setzte den Haftbefehl außer Vollzug.

München - Der Ex-Chef der ehemals von Siemens Börsen-Chart zeigen mitfinanzierten Betriebsräteorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, ist wieder auf freiem Fuß. Wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Nürnberger Nachrichten" einhellig berichteten, habe Schelsky am Montagnachmittag das Gefängnis in Nürnberg überraschend verlassen dürfen. Das Oberlandesgericht Nürnberg habe einer Haftbeschwerde stattgegeben, sagte sein Anwalt Jürgen Lubojanski. Gegenüber manager-magazin.de bestätigte ein Gerichtssprecher die Informationen.

Schelsky war Ende 2008 wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Weil sein Verteidiger Revision eingelegt hat, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Wieder frei: Ex-AUB-Chef Schelsky (r.) mit einem seiner Verteidiger
Schelskys Verteidiger ging den Blättern zufolge gegen eine überlange Untersuchungshaft vor. Sein Mandant sitze bereits seit dem 14. Februar 2007 ohne rechtskräftiges Urteil in Haft, sagte Lubojanski. Noch im Mai hatte das Landgericht erneut Haftfortdauer wegen Fluchtgefahr angeordnet, woraufhin die Verteidigung Beschwerde einlegte.

Der Anwalt rechne damit, dass der Bundesgerichtshof (BGH) im September im Fall Schelsky entscheiden werde, berichten die Zeitungen weiter. Sollten die Richter die Revision verwerfen und das Urteil rechtskräftig werden, müsse Schelsky noch für einige Monate in Vollstreckungshaft zurück. Im Februar 2010 wären dann zwei Drittel der Strafe verbüßt.

Neben der ausstehenden BGH-Entscheidung sieht sich Schelsky auch mit einer Schadenersatzklage von Siemens konfrontiert. Der Konzern fordert von ihm rund drei Millionen Euro. Schelsky sollte nach einem 2001 mit dem früheren Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer geschlossenen Vertrag die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) als Gegengewicht zur IG Metall aufbauen. Hierfür erhielt er bis November 2006 insgesamt 30,3 Millionen Euro. Mehrere Millionen zweigte Schelsky jedoch für private Zwecke und die Unterstützung von Sportvereinen ab. Im selben Prozess wie Schelsky wurde Ex-Siemens-Vorstand Feldmayer zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. Das Urteil gegen ihn ist bereits rechtskräftig.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH