Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Business-Angel Boersch "Da wird massenhaft geblufft"

Cornelius Boersch, frisch gekürt als Europas bester Business-Angel, erklärt im Interview mit manager-magazin.de, wie Gründer selbst in Zeiten der Krise noch Millionen für den Aufbau des eigenen Unternehmens bekommen können - und wie sie bei Verhandlungen mit den Investoren ihre Anteile möglichst teuer verkaufen.

mm.de: Sie sind vor Kurzem vom europäischen Verband der Business-Angels (Eban) als erster Deutscher zum besten Business-Angel Europas gewählt worden. Liegt das daran, dass Sie einer der wenigen Privatinvestoren sind, die sich überhaupt noch trauen, eigenes Geld in junge Unternehmen zu stecken?

Boersch: "Im Internet, aber auch im Mobilfunk gibt es immer noch viele interessante Möglichkeiten"
Boersch: Da gibt es schon noch einige andere von den 2000 Business-Angels in Deutschland, aber ich bin sicher einer der aktivsten von den rund 50, die das professionell betreiben. Als ehemaliger Mitgründer des Chiphändlers ACG ist es mir ein Anliegen, die Gründungsaktivitäten in Deutschland weiter zu fördern.

mm.de: Warum haben es Gründer heutzutage so schwer, Kapital für den Aufbau ihres Unternehmens zu bekommen?

Boersch: Den meisten Investoren ist mit dem Platzen der Internetblase einfach der Risikoappetit vergangen. Das Problem ist, dass in den letzten Jahren kaum eine Venture-Capital-Firma mit dem Investment in junge Firmen Geld verdient hat. Deshalb sind diese Risikokapitalfirmen dazu übergegangen, die Start-ups nicht mehr in der ersten, sogenannten Seed-Phase, mit Summen von bis zu zwei Millionen Euro zu unterstützen, sondern das Wachstum bereits etablierter Unternehmen mit Summen zwischen fünf bis zehn Millionen Euro zu finanzieren. Eine der Ausnahmen ist die KfW, die mit dem Hightech-Gründerfonds nach wie vor öffentliches Geld in Gründerfirmen steckt und damit durchaus erfolgreich ist.

mm.de: Welche Geschäftskonzepte haben am ehesten Chancen von kapitalkräftigen Privatleuten wie Ihnen unterstützt zu werden?

Boersch: Im Internet, aber auch im Mobilfunk gibt es immer noch viele interessante Möglichkeiten. Hier sehen wir den E-Commerce-Markt sowie mobile Applikationen wie Einkauf per Handy als wichtige Themen der nächsten Jahre.

mm.de: Wie muss ein Geschäftskonzept aussehen, damit es nicht sofort im Papierkorb landet?

Boersch: Das Konzept muss einen klaren Eindruck von der Geschäftsidee vermitteln und auf einem Businessplan mit nachvollziehbaren Annahmen zur Geschäftsentwicklung basieren. Richtig prüfen wird diesen Businessplan allerdings sowieso keiner der Geldgeber. Wenn ich mir etwa das Portfolio meines Unternehmens Mountain Partners mit rund 100 Unternehmensbeteiligungen ansehe, würde ich sagen, dass 90 Prozent der Unternehmen signifikante Abweichungen im Businessplan haben - natürlich nach unten - die wir mit einberechnen müssen.

Businesspläne taugen daher vor allem dazu, sich einen fundierten Überblick über die Kosten einer Unternehmensgründung zu machen. Hilfreich für Gründer sind die vielen Businessplan-Wettbewerbe, weil die Gründer hier die Möglichkeit haben, ihre Ideen praktisch gratis von Profis prüfen zu lassen.

mm.de: Wie finden Sie heraus, ob Sie ein gutes Team vor sich haben?

Boersch: Ich gehe da nach der Devise: Schau Dir nicht das Pferd an, sondern den Jockey. Es geht also um die Frage: Wer bringt dir den Deal? Die Erfahrung zeigt, dass es Investoren gibt, die regelmäßig gute Gründerteams aufspüren, während andere stets nur Leute liefern, deren Konzepte sich hinterher als Flops erweisen. Die meisten Gründerteams lernen wir über unser Netzwerk aus anderen Business-Angels und Investoren kennen. Wir laden die Gründer zu uns ein, schauen uns pro Tag bis zu drei Teams an, um sie kennenzulernen und damit einen persönlicheren Eindruck zu bekommen.

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