Sonntag, 25. Juni 2017

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Business-Angel Boersch "Da wird massenhaft geblufft"

3. Teil: "Ab und zu einen Volltreffer landen"

mm.de: Welches Einkommensniveau dürfen Gründer erwarten, die von Business-Angels unterstützt werden? Verdienen etwa Berufserfahrene so viel wie zuvor, oder müssen sie Einschränkungen ihres Lebensstandards hinnehmen, als Teil ihrer persönlichen Risikobeteiligung?

Volltreffer: Business-Angel setzen ihr Risikokapital für schnell wachsende Firmen ein
Boersch: Das bewegt sich typischerweise zwischen 2000 und 5000 Euro Monatsgehalt. Das hängt natürlich davon ab, was einer vorher gemacht hat. Das bedeutet im ein oder anderen Fall deutliche Einschränkungen, aber damit verbunden ist natürlich die Hoffnung, dass das Unternehmen rasch wächst und dadurch an Wert gewinnt.

Wer zum Beispiel als Gründer 30 Prozent am Unternehmen hält und eine Firma führt, die nach ein paar Jahren mit fünf Millionen bewertet wird, ist praktisch schon Millionär. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass es meistens fünf bis sieben Jahre dauert, um ein Unternehmen aufzubauen. So lange muss man schon durchhalten. Der Weg zur schnellen und einfachen Million ist eine Unternehmensgründung jedenfalls nicht.

mm.de: Welche Gegenleistung erwarten Business-Angels für ihr Geld? Welche Kapitalverzinsung erwarten sie und wie lange bleiben sie durchschnittlich im Unternehmen investiert?

Boersch: Gründer müssen wissen, dass ein Business-Angel Risikokapital einsetzt und damit auf schnell wachsende Firmen setzt. Ein Konzept mit Wachstumsraten von jährlich 10 Prozent ist völlig uninteressant. Das ist keine arrogante Haltung, sondern die Folge der hohen Ausfallquoten in diesem Geschäft. Von zehn Firmen, in die man investiert, sind in der Regel nur eine oder zwei richtig erfolgreich. Als Business-Angel ist man schon darauf angewiesen, dass man ab und zu mal einen Volltreffer landet.

Aber selbst nach so vielen Investments in junge Firmen stelle ich fest, dass das Investieren schon eine Glücksache ist. Obwohl ich so viele Investments getätigt habe, erkenne ich kein Muster, das zukünftig den Erfolg garantieren könnte. Oftmals hatten wir die besten Renditen in Bereichen, von denen wir nur wenig Know-how hatten. Das irritiert mich natürlich selbst auch gewaltig, aber es zeigt einfach, dass es vor allem auf das richtige Team ankommt. Ich entscheide deshalb meist direkt nach dem ersten Treffen und mit meinem Bauchgefühl, ob wir in eine Firma investieren. Manchmal scheint es mir zudem egal, in welches Geschäftskonzept man investiert. Hauptsache, man macht es zum richtigen Zeitpunkt.

mm.de: Wie können die Gründer bei den Investitionsverhandlungen dafür sorgen möglichst viele Anteile zu behalten?

Boersch: Da gibt es kein bestimmtes Modell, das ist tatsächlich eine Frage von gutem Verhandlungsgeschick. Das ist schon oft vom Zufall getrieben.

mm.de: Wird da viel geblufft?

Boersch: Oh ja, da wird massenhaft geblufft, auf beiden Seiten. Aber das liegt eben daran, dass kein Business-Angel wirklich wissen kann, wie gut sich eine Firma entwickeln wird. Also versuchen die Gründer, die Zukunft möglichst rosig auszumalen, während die Geldgeber die Erwartungen eher dämpfen.

mm.de: Warum sind Sie denn Business-Angel geworden?

Boersch: Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch. Es ist einfach wahnsinnig spannend, immer wieder neue Gründer und Geschäftskonzepte kennenzulernen. Man trifft viele interessante Leute und man lernt viel. Zudem hat jeder von uns Business-Angel den Traum, auch mal auf eine Firma wie Google Börsen-Chart zeigen zu stoßen.

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