Freitag, 23. Juni 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Kommunikation Auf dem Schoß der CEOs

Firmenlenker drehen nicht allein am Steuerrad, ständig greifen ihnen Politik und Medien in die Speichen. Roland-Berger-Berater Torsten Oltmanns und Wirtschaftsjournalist Ralf-Dieter Brunowsky benennen in einem Buch die Konsequenzen, die CEOs daraus ziehen müssen. manager-magazin.de präsentiert exklusiv Auszüge.

Jeder dritte Bundesbürger hält Gewinne für unmoralisch. Nur noch 27 Prozent der Deutschen glauben, dass es der Bevölkerung gut geht, wenn es den Unternehmen gut geht. 47 Prozent der Deutschen sehen den Sozialismus grundsätzlich positiv - nur 27 Prozent widersprachen.

Immer öfter die Finger im Spiel: (von links nach rechts) CSU-Chef Horst Seehofer, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Diese Ergebnisse von Allensbach-Befragungen zeigen, dass das Vertrauen in die Wirtschaftsordnung und die Unternehmen bereits vor der Finanz- und Wirtschaftskrise geschwächt war. Diese Befunde beschreiben die "mentale" Ausgangsbasis, auf der Deutschland im Wahljahr und darüber hinaus über Maßnahmen gegen einen dramatischen Konjunktureinbruch, notwendige Verteilungskämpfe und staatliche Interventionen diskutieren wird.

Die Folgen für die Unternehmen sind nicht sicher, aber einige Konsequenzen zeichnen sich bereits ab. Unter der Überschrift "Wer die Musik bezahlt ..." schrieb "Handelsblatt"-Journalist Rolf Benders im Februar 2009:

"Das globale Finanzsystem wird nach dem Ende dieser Finanzkrise völlig anders aussehen, als die Geldwirtschaft, die wir in den vergangenen 20 Jahren gekannt haben [...] es wird stärker staatlich reguliert sein, [...] derzeit zeichnet sich aber in den USA ab, dass selbst das klassische Tagesgeschäft der Kreditinstitute dauerhaft zum Spielball von Politikern wird. Dabei geht es [...] um die alltägliche Kreditvergabe, Politiker gerieren sich hier zunehmend als Obersachbearbeiter. Publikumswirksam fordern sie von den Banken Kredite für bestimmte Firmen in ihrem Wahlbezirk."

Nicht nur in den USA, überall wächst der Einfluss von Öffentlichkeit und Politik auf unternehmerische Entscheidungen. Auch in Deutschland melden sich die Politiker gern zu Wort, vor allem bei notwendigen "Umstrukturierungsmaßnahmen" - sprich Entlassungen.

Ein Unternehmen wie Nokia musste das in Nordrhein- Westfalen feststellen. Die Kosten der Werksschließung in Bochum waren durch öffentlichen Einfluss am Ende weit höher als geplant. Politiker arbeiten mit Hintergrundgesprächen und öffentlichen Interviews daran, die Unternehmensleitung unter Druck zu setzen. Nur allzu gern stiegen die Medien auf das Thema ein.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH