Mittwoch, 19. Dezember 2018

Hans-Jörg Vetter Sanierer vor großen Aufgaben

Mit schwierigen Missionen hat Hans-Jörg Vetter Erfahrung. Als Vorstandschef der Landesbank Berlin gelang ihm ein spektakulärer Sanierungserfolg. Die Aufgaben, die der Nachfolger Siegfried Jaschinskis bei der Landesbank Baden-Württemberg bewältigen muss, werden nicht eben kleiner.

Berlin - Unter der Ägide des stets ruhig und bedächtig auftretenden 56-jährigen Vetter schaffte die frühere Bankgesellschaft Berlin die Trendwende aus den tiefroten Zahlen. Das einst skandalumwitterte Geldhaus schreibt seit 2004 wieder Gewinne. Lohn der Umstrukturierung war der stattliche Preis von 5,3 Milliarden Euro, für den Berlin den Mehrheitsanteil an seiner Landesbank im Juni 2007 an die deutschen Sparkassen verkaufte.

Künftiger Chef der LBBW: Hans-Jörg Vetter
Die Trennung von Beteiligungen war ein wesentlicher Punkt in Vetters seit Dezember 2001 verfolgtem Sanierungskurs, den das Land Berlin mit Milliardenhilfen ermöglicht hatte. Die Beschäftigtenzahl der verkleinerten Bank sank von einst 16 000 auf knapp 6000. Anfang 2006 wurde der Vertrag des gebürtigen Göppingers bis November 2011 verlängert.

Vetter hielt die Landesbank auch in der Finanzkrise auf Kurs, selbst 2008 wurde noch ein kleiner Gewinn geschrieben. Der Banker pflegte auch in der Bundeshauptstadt seinen schwäbischen Tonfall. Zum dunklen Anzug trägt er gern ein Einstecktuch.

In die Finanzbranche eingestiegen war Vetter 1972 bei der Deutschen Bank. Er spezialisierte sich auf Immobiliengeschäfte. Von 1990 an leitete er dann bei der damaligen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) das Immobiliengeschäft, bevor er 1997 zur Landesbank Hessen- Thüringen wechselte. Dort führte er das Immobilienressort und wurde auch stellvertretender Vorstandschef.

Vier Landesbankchefs mussten bereits gehen

Als sich ein möglicher Aufstieg auf die Topposition nicht konkretisierte, schied der Vater zweier Kinder Ende 2000 aus. Als nächstes führte ihn sein Weg nach Berlin, zunächst als einfaches Vorstandsmitglied der Bankgesellschaft.

Nun löst Vetter Siegfried Jaschinski als Vorstandschef der LBBW ab. Mit dem Gang nach Stuttgart hat jedoch die Glaubwürdigkeit Vetters gelitten. Noch am Donnerstag hatte er erklärt, ein Wechsel zur Landesbank Baden-Württemberg sei "kein Thema". "Ich fühle mich sehr wohl bei der Landesbank Berlin", sagte er nach einem ersten Pressebericht über einen möglichen Abschied von der Spree.

Jaschinski ist der vierte Vorstandschef einer deutschen Landesbank, der wegen der Finanzkrise und milliardenschwerer Verluste seinen Hut nehmen muss. Auch bei der BayernLB, der WestLB und der HSH Nordbank sind Köpfe gerollt. Die LBBW fuhr 2008 einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro ein, im ersten Quartal dieses Jahres wurden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Im Bestand sind noch viele Wertpapiere, bei denen weitere Abschreibungen fällig werden könnten.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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