Sonntag, 16. Dezember 2018

Götz Rehn Der Biopionier

Götz Rehn beruft sich gerne auf den "gesunden Menschenverstand", wenn er über seine persönliche und unternehmerische Haltung spricht. Für den schlanken 59-Jährigen, der vor 25 Jahren die Biolebensmittelkette Alnatura gründete, läuft vieles im Wirtschaftsleben keineswegs so, wie es vernünftig wäre.

Bickenbach - "Wenn man sich beispielsweise die brutalen industriellen Fangmethoden der Fischindustrie vergegenwärtigt, muss man doch beginnen zu zweifeln", empört sich der Unternehmer. Allein die Praxis, wonach ein gigantischer Anteil der gefangenen Meerestiere - durchschnittlich jeder dritte Fisch - als überflüssiger Beifang meist tot wieder über Bord gekippt werde, sei pervers.

Unternehmer mit Gewissen: Alnatura-Gründer Rehn
Der Unternehmer nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Missstände in der Lebensmittelindustrie aufzuzeigen. Doch Rehn, der aus einer Freiburger Ärztefamilie stammt, will nicht nur kritisieren. Im Gegenteil, er will an einer "grundlegenden Erneuerung des geistigen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens" mitarbeiten, wie er sagt. Dazu gehörten auch bessere Bildungschancen für Jugendliche.

Mit besser meine er aber mitnichten mehr Quantität, sondern mehr Qualität. "Vor allem im kulturellen Bereich müssten die jungen Menschen weitergebildet werden, denn um ein erfolgreiches Leben zu führen, ist mehr nötig als die rein wirtschaftliche Sichtweise."

Dass er selbst im Laufe seines Lebens in Hessen gelandet ist, hält Rehn für einen "glücklichen Zufall". "Vor allem das reichhaltige kulturelle Leben in Frankfurt hat es mir angetan", sagt er. Der Unternehmer selbst hat vor einigen Jahren auch die "Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft" in Alfter bei Bonn gegründet. Die staatlich anerkannte Hochschule in privater Trägerschaft soll den Studenten ökologisches Wissen vermitteln, bei dem es neben ökonomischen Fragen auch um Kunst und gesellschaftliche Aspekte geht.

Das Wohlbefinden des Kunden müsse in das Zentrum eines Unternehmens gestellt werden, sagt Rehn. Natürlich gehe es auch darum, Geld zu verdienen, doch das sei nur ein angenehmer Nebenaspekt.

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