Dienstag, 11. Dezember 2018

Meinl-Affäre Ex-Minister Grasser steigt aus

Der ehemalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat wenige Tage nach der Festnahme des Meinl-Chefs seinen Rückzug aus dem Firmenimperium angekündigt. Er wolle den Vorstand des Meinl-Unternehmens MIP verlassen, seine Anteile abgeben und sich neuen Aufgaben zuwenden. Julius Meinl wird Anlagebetrug vorgeworfen.

Wien - Nach einem Bericht der Tageszeitung "Österreich" vom Sonntag will Grasser, der in dem Unternehmen Meinl International Power (MIP) Börsen-Chart zeigen 2007 einen Vorstandsjob angenommen hatte, seine Anteile an MIP zurückgeben und sich "neuen Aufgaben zuwenden". Grasser, der mit der Kristallerbin Fiona Swarovski verheiratet ist, besitzt an der Meinl-Gesellschaft 33,3 Prozent.

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Der Ex-Finanzminister wies Berichte zurück, wonach er im Rahmen der Ermittlungen gegen Julius Meinl V. als "Verdächtiger" geführt werde. Grasser betonte, es gebe "definitiv keine Vorwürfe" gegen ihn. Dem Nachrichtenmagazin "Profil" (Montagausgabe) zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien im Zusammenhang mit der Meinl-Affäre zurzeit gegen zehn Personen wegen des Verdachtes der Untreue und des Betruges.

Meinl war am vergangenen Mittwoch nach einer Vernehmung durch die Polizei festgenommen und am Freitag gegen die Zahlung einer Kaution von 100 Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden, die höchste Kaution die jemals in Österreich gezahlt wurde. Nicht einmal 24 Stunden nach seiner Festnahme hatte die Familie des 49-Jährigen am Donnerstag die Summe hinterlegt. Meinl blieb jedoch in Haft, da das Gericht den riesigen Betrag zunächst gesichert haben wollte. Es vermutete akute Fluchtgefahr, weil der Beschuldigte britischer Staatsbürger ist. Sein Privatflugzeug soll abflugbereit am Wiener Flughafen gestanden haben.

Meinl gab nach seiner Entlassung aus dem Wiener Untersuchungsgefängnis keine Stellungnahme ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Oberhaupt der einst renommierten Meinl-Dynastie unter anderem wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue.

Der Chef der gleichnamigen Wiener Traditionsbank war am Mittwochabend in Wien wegen des Verdachts auf Anlagebetrug festgenommen worden. Dem Multimillionär werden Untreue, Provisionsschinderei und Betrug vorgeworfen. Die Bank betonte am Donnerstag, die Festnahme habe "keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb". Die Lage des Instituts sei "stabil", die Einlagen "sicher".

Meinl war bereits im vergangenen Jahr wegen eines Finanzskandals um sein Unternehmen Meinl European Land (MEL) - einen Investment-Fond - ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Es ging dabei um massive, geheim gehaltene Aktienrückkäufe. Im Zusammenhang mit dem Skandal haben nach Angaben der Nachrichtenagentur APA Zehntausende Anleger mit von Julius Meinl auf der Insel Jersey gegründeten Investment- Firmen Milliarden verloren.

Julius Meinl V. ist Nachkomme des Imperiums mit dem "Mohren"- Markenzeichen, das im Lebensmittelhandel in Österreich und Teilen Europas erfolgreich war. Meinl (der Fünfte) selbst konzentrierte sich jedoch zunehmend auf das Bankgeschäft, das er nach angelsächsischem Vorbild betreiben wollte. Die auf der Kanalinsel Jersey - einem Steuerparadies - ansässigen Investmentgesellschaften Meinl European Land (MEL), Meinl International Power (MIP) und Meinl Airports International (MAI) Börsen-Chart zeigen richteten sich beim Börsengang an das breite Publikum in Österreich und warfen für die Meinl Bank zunächst sehr hohe Erträge ab. Anleger fühlten sich jedoch angesichts dramatisch fallender Aktienkurse und steigender Verluste zunehmend hinters Licht geführt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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