Freitag, 23. Juni 2017

RWE Tumult um Jürgen Großmann

Laut einem Pressebericht ist der Energiekonzern RWE mit seinem streitbaren Chef Jürgen Großmann nur knapp an einem Eklat vorbeigeschlittert. Auf der jüngsten Aufsichtsratssitzung hätten die Aktionärsvertreter beinahe Großmann und Chefkontrolleur Thomas Fischer gestürzt. Offenbar ging es um den Führungsstil.

Hamburg - In einer turbulenten Sitzung des Aufsichtsrats von RWE Börsen-Chart zeigen stand laut einem am Samstag veröffentlichten Vorabbericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL zeitweise nicht nur der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann vor dem Rückzug. Auch der Posten von Aufsichtsratschef Thomas Fischer stand zur Disposition.

RWE-Manager Großmann: Aktionärsvertreter kritisieren "bevormundende Art"
Vordergründig ging es bei dem Streit um die Änderung der Geschäftsordnung. Tatsächlich jedoch, berichteten mehrere Beteiligte dem Magazin übereinstimmend, wollten sich die Kontrolleure Großmanns "bevormundende Art" nicht länger gefallen lassen. Nach mehreren heftigen Wortgefechten mit dem Manager schlugen die Vertreter der Anteilseigner demnach schließlich sogar einen "kompletten Neuanfang" bei RWE vor. Die Posten des Vorstandschefs und Aufsichtsratsvorsitzenden sollten neu besetzt werden.

In einer zweistündigen Sitzungsunterbrechung, zu der auch Juristen hinzugezogen wurden, sondierten die Kontrolleure in unterschiedlichen Gruppen, ob es auf die Schnelle geeignete Nachfolger für Großmann und Fischer gebe. Doch die Suche blieb erfolglos. Interne Kandidaten erhielten nicht genug Rückhalt, um Großmann abzulösen.

Ekkehard Schulz, der Fischers Posten übernehmen sollte, winkte mit Verweis auf seine noch laufende Tätigkeit als Vorstandschef des Stahlkonzerns ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen ab. Großmann und Fischer blieben in ihren Ämtern - zumindest vorläufig. RWE wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorgang äußern.

Jürgen Großmann, der sich als Sanierer des Stahlunternehmens Georgsmarienhütte einen Namen gemacht hat, war im Oktober 2007 von Fischer zu RWE geholt worden. Er treibt einen radikalen Umbau der Konzernstruktur voran. Zu den wichtigsten Eigentümern des Energiekonzerns zählen Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen.

Derweil stößt Großmann auch mit seinem wichtigsten Expansionsprojekt auf Widerstand. Die niederländische Regierung hat Wettbewerbsbedenken gegen die von RWE geplante Übernahme des Versorgers Essent angemeldet. Die Einwände würden bei der EU-Kommission vorgebracht, kündigte Wirtschaftsministerin Maria van der Hoeven am Freitag in einem Brief an das Parlament an. Die Übernahme des niederländischen Energieversorgers beeinträchtige den Wettbewerb, solange RWE nicht seine Hochspannungsnetze in Deutschland verkaufe. Der Konzern hat bereits den Verkauf seines Gasnetzes angeboten, um einer Kartellstrafe der EU zu entgehen. Anders als die Wettbewerber Eon Börsen-Chart zeigen und Vattenfall Börsen-Chart zeigen hält RWE aber an den großen Stromleitungen fest.

Eine RWE-Sprecherin sagte, der Konzern werde sein Angebot an die Essent-Anteilseigner nicht ändern, da die geplante Übernahme mit dem EU-Recht vereinbar sei. Die Gespräche mit der EU-Kommission seien bisher konstruktiv verlaufen. Der deutsche Energiekonzern will Essent einschließlich Schulden für 9,3 Milliarden Euro übernehmen. Das Geschäft soll im dritten Quartal abgeschlossen werden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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