Freitag, 22. September 2017

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Frauen und Karriere Prahlen, Wirbeln, Loben

In der Schule und an der Uni haben sie die Nase vorn, doch im Berufsalltag ist es mit der Überlegenheit vorbei. Frauen fallen oft in die Opferrolle, entlarven sich als Arbeitsbiene, aber kommen nur in Tippelschritten auf der Karriereleiter empor. Sechs Tipps, wie Sie wirklich vorankommen.

Augsburg - Die Chefetagen hierzulande sind von Männern dominiert: In den deutschen Dax-30-Unternehmen sitzt nur eine Frau im Vorstand. An mangelnder Begabung kann das kaum liegen. Laut einer Studie des Bundesbildungsministeriums bleiben Mädchen in der Schule seltener sitzen und schaffen öfter das Abitur als Jungen. Schlau genug für den Chefposten sollten Frauen also sein. Auf dem beruflichen Weg nach oben scheuen sie sich Expertinnen zufolge aber oft, genau das zu zeigen.

Karriere: Keine Angst vor neuen Aufgaben
Die wichtigsten Karrieretipps für Frauen im Überblick:

  • Nicht das Opfer spielen: Viele Frauen fühlten sich als Opfer, sagt Cornelia Topf, Coach und Unternehmensberaterin aus Augsburg. In der männerdominierten Arbeitswelt gingen sie davon aus, ohnehin nicht weiterzukommen. Doch so einfach sei es nicht. "Für die eigene Karriere kann man schon einiges tun." Dazu gehöre, in Gesprächen mit Kollegen nicht auf Mitleid zu setzen. Denn wer das tut, bekomme genau das: Mitleid, aber keine Anerkennung.

Gertrud Höhler aus Berlin glaubt, dass Frauen sich oft unnötig verletzt fühlen, weil sie zu sehr zwischen den Zeilen lesen. "Frauen beziehen vieles auf sich und reagieren entsprechend", sagt Höhler, die sich mit Literatur befasst und als Wirtschaftsberaterin arbeitet. Das Problem sei dann: Männer verstünden nicht, was los ist. "Die sagen: "Die Frau ist unberechenbar und hat Launen." Das bringe die Karriere nicht weiter.

  • Eigenlob stinkt nicht: "Ich höre oft, dass Frauen sagen: "Mein Chef hat nicht die leiseste Ahnung von meinen Fähigkeiten." Ich sage dann immer: "Dann wird es Zeit, dass Sie ihm zeigen, was Sie draufhaben", erzählt Barbara Schneider aus Hamburg, die weibliche Führungskräfte coacht. Viele Frauen wollten entdeckt werden. Aber das funktioniere in der Arbeitswelt nicht. "Reden Sie über Ihre Erfolge", rät auch Cornelia Topf. "In 30 Sekunden sollte jede Frau ihre Einmaligkeit zeigen können, denn oft hat man dafür nicht mehr Zeit."

Bücher
Barbara Schneider:
"Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf";

Gabal Management, 222 Seiten, August 2002,
19,90 Euro

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Gertrud Höhler:
"Das Ende der Schonzeit. Alphafrauen an die Macht";

Econ, 278 Seiten, September 2008, 22,90 Euro

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Cornelia Topf, Rolf Gawrich:
"Das Führungsbuch für freche Frauen";

Redline Wirtschaft, 295 Seiten, September 2007, 19,90 Euro

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Und wenn man keine großen Erfolge hat? "Dann dreht man die kleinen eben positiv", sagt Topf. Männer verkauften sogar Misserfolge als Erfolge, während Frauen in der Ecke sitzen und sagen: "Ach, das war doch nichts." Sie gingen davon aus, dass Männer denken: "Was für eine tolle Frau. Die schafft viel, aber redet nicht mal drüber", sagt Höhler. Bloß passiere das nicht. Wenn Männer also mit ihren Erfolgen prahlen, sollte die Frau sagen: "Tolle Geschichte. Mir ist gerade ganz Ähnliches passiert", rät sie.

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