Freitag, 14. Dezember 2018

Betrugsskandal Madoff plant Deal mit Gericht

Der mutmaßliche Anlagebetrüger Bernard Madoff wird sich bei einer Gerichtsanhörung in der kommenden Woche voraussichtlich schuldig bekennen. Darauf deutet ein Gerichtsdokument hin, dass Staatsanwälte und Madoffs Verteidiger am Freitag unterzeichneten.

New York- Einem Mitarbeiter des US-Bezirksgerichts in Manhattan zufolge muss Madoff am kommenden Donnerstag vor Gericht erscheinen. In dem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Vermerk heißt es, Ankläger und Verteidiger gingen von einem baldigen Verzicht des Vermögensberaters auf eine formelle Anklageerhebung aus. Daraus könne geschlossen werden, dass sich Madoff für schuldig bekennen werde, sagte Jacob Frenkel, ein früherer Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC. "Wir werden also bald wissen, wie groß der Teil seines Lebens sein wird, den er hinter Gittern verbringen wird."

Jahrhundertbetrüger: Madoff auf dem Weg zum Gericht
Beobachter vermuten, dass Madoff mit dem Deal in erster Linie seine Familie und ihr erhebliches Vermögen vor dem Zugriff der Staatsanwaltschaft schützen will. So deklarierten seine Anwälte mehr als 60 Millionen Dollar als Privatvermögen seiner Frau Ruth.

Die Staatsanwaltschaft hatte die verbliebenen Vermögenswerte von Madoff bereits eingefroren. Nach Einschätzung von Juristen können die Behörden diese Vermögen nur konfiszieren, wenn es entweder ein Produkt des Betrugs ist oder Madoffs Frau selbst an dem Betrug beteiligt war. Nach Angaben der Regierung des Bundesstaates Massachusetts hat eine von Madoff kontrollierte Wertpapierfirma einen Tag vor dessen Verhaftung Mitte Dezember zehn Millionen Dollar an Ruth Madoff überwiesen. 15 Tage vorher hatte sie bereits 5,5 Millionen Dollar erhalten.

Bei einer Verurteilung dürfte das Vermögen Madoffs zur Entschädigung von Opfern genutzt werden. In den Vereinigten Staaten und Europa hatten zahlreiche Hedgefonds, Banken, Stiftungen sowie prominente Privatanleger Geld bei Madoff angelegt, der an der Wall Street lange einen exzellenten Ruf hatte. Madoffs Anwälte und die zuständige Staatsanwaltschaft wollten sich zu einer möglichen Absprache nicht äußern.

Madoff soll Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar geprellt haben. Der 70-Jährige wurde im Dezember festgenommen und wegen Wertpapierbetrugs angeklagt. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Derzeit steht der Investment-Manager in seinem New Yorker Luxusapartment unter Hausarrest. Seit Wochen wird spekuliert, dass Anklage und Verteidigung hinter den Kulissen an einem Deal arbeiten, der bei einem Geständnis ein strafmilderndes Urteil vorsehen könnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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