Mittwoch, 20. März 2019

manager-lounge Gute Führung ist erlernbar

Erfolgreiche Führungskräfte haben Machtinstinkt, können aber auch mit den Gefühlen ihrer Mitarbeiter umgehen. Gerade in Krisenzeiten ist der richtige Mix im Umgang miteinander gefragt. Mitglieder der manager-lounge diskutieren, ob es Alphatiere mit Manager-Gen gibt, welche Rolle Erfahrungen spielen und ob Seminare wirklich etwas bringen.

Hamburg - Sind Führungsqualitäten erlernbar wie ein normales Handwerk - oder liegen solche Eigenschaften in den Genen? Für die Mitglieder der manager-lounge eine recht eindeutige Sache: 48 Prozent meinen, dass vor allem soziale Kompetenz und Teamführung trainierbar sind, für weitere 33 Prozent kommt es nicht auf Seminare oder ein Studium an, sondern auf die Lebenserfahrung. Für 5 Prozent sind sogar alle Führungsqualitäten komplett erlernbar. Nur 14 Prozent meinen dagegen, dass Lernen in diesem Fall nichts bringt, sondern Charisma und angeborene Führungsqualitäten über den Erfolg eines Managers entscheiden.

Fit für den Alltag: In Seminaren können Führungskräfte ihr Verhalten erlernen und verändern
Robert Burkhardt vom Beratungsunternehmen Mieschke Hofmann und Partner widerspricht dieser Denkweise: "Es ist simpel, als Führungskraft zu betonen, dass man seinen Status nur aufgrund besonders geeigneter Gene erreichen konnte. Das erhöht die Eintrittsbarriere, hält Nachahmer fern und die Führungselite bleibt unter sich." Dabei werde dann gerne auf das Alphatier verwiesen. "In den vergangenen Jahren bin ich sehr vielen Vertretern dieses Stereotyps begegnet", sagt Burkhardt.

Michael Schulte sieht dagegen viele Potenziale bereits durch Gene, Eltern, Umfeld und Erziehung angelegt. Danach werde es immer schwieriger, diese zu erweitern, es gehe vielmehr darum, diese Grundlagen auszuschöpfen. "Ein ängstlicher Mensch ohne ausreichenden Gestaltungswillen und das dafür notwendige Selbstvertrauen wird auch mit der besten Schulung nicht zur guten Führungskraft. Insofern halte ich alle Schwarz-Weiß-Aussagen für Unfug", so das Mitglied im Expertenforum der manager-lounge."

Richtig sei vielmehr: "Jeder kann seine Potenziale ausschöpfen - und dabei kann Training helfen. Aber nicht jeder ist zu allem berufen." Gerhard Hensgen stimmt Schulte zu: "Wie so oft im Leben ist auch Führungsqualität eine Kombination aus Genen und Sozialisation. Teilaspekte des Führens sind sicher in Seminaren erlernbar, aber wichtiger ist Erfahrung."

Christoph Schließmann verweist auf das von ihm in einem Buch beschriebene No-go-Phänomen. Wenn Persönlichkeitsstruktur und Aufgabe nicht passen, sei auch Personalentwicklung nicht heilend: "Das Führungsdefizit verursacht eine immer höhere Eigendynamik und Instabilität, wodurch versteckte Komplexitäten aufgebaut werden, die - und das zeigt die Krise - oft unbemerkt negative Wirkung entfalten", so der Wirtschaftswissenschaftler.

Für Mike Barowski, Gründer der Agentur Opportunity, ist die Charismafrage nicht entscheidend: "Es gibt Menschen mit Charisma, die in 100 Jahren nicht führen können. Aber es gibt nur wenige Menschen mit Führungsqualitäten, die kein Charisma versprühen." Für ihn beweisen sich Führungsqualitäten in der Regel erst dann wirklich, wenn es gilt, unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen." Schön-Wetter-Kapitäne seien dann nicht mehr gefragt. Und: "Wie schwer 'Führen' ist, lernt man am besten, wenn man zwei selbstbewusste Söhne im eigenen Unternehmen hat", weiß Barowski aus Erfahrung.

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