Donnerstag, 15. November 2018

Madoff-Skandal Ehefrau Ruth Madoff gerät ins Visier

Im wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte verzögert sich eine mögliche Anklage gegen den Wall-Street-Broker Bernard Madoff bis Mitte März. Unterdessen gerät Madoffs Ehefrau Ruth in den Blick der Ermittler: Sie soll kurz vor Aufdeckung des Betrugs eine zweistellige Millionensumme abgezogen haben.

New York - Die New Yorker Staatsanwaltschaft und Madoffs Anwalt einigten sich laut übereinstimmenden Medienberichten auf eine erneute Verlängerung der Frist zur Anklageerhebung um nochmals 30 Tage. Damit haben die Strafverfolger für ihre Ermittlungen nun bis Mitte März Zeit.

Der im vergangenen Dezember festgenommene Madoff hatte den Schaden durch sein jahrzehntelanges Schneeball-System auf rund 50 Milliarden Dollar beziffert. Der 70-Jährige steht gegen eine Millionen-Kaution in seinem Nobel-Appartement in New York unter Hausarrest.

Der Termin für eine Anklageerhebung war schon einmal verlängert worden. Madoffs Anwalt bestätigte den erneuten Aufschub der US- Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Beobachter halten inzwischen laut US-Medien auch für möglich, dass sich die Staatsanwaltschaft mit Madoffs auf eine Art Vergleich oder Absprachen für einen Prozess einigt. Zivilrechtliche Klagen blieben davon aber zunächst unberührt.

Ehefrau soll 15,5 Millionen Dollar aus Beteiligung abgezogen haben

Unterdessen geriet Madoffs Frau Ruth ins Visier der Ermittlungen. Nach Erkenntnissen von Behörden im US-Staat Massachusetts zog sie kurz vor Aufdeckung des Betrugs 15,5 Millionen Dollar aus einer Finanzfirma ab, an der Madoff beteiligt war.

Zu den größten Opfern Madoffs zählen auch europäische Banken und ihre Kunden - so etwa mit Milliardensummen die spanische Banco Santander, die österreichische Bank Medici, die Schweizer Union Bancaire Privee (UBP) und die britische HSBC.

In Deutschland sind bisher keine Fälle auch nur annähernd dieser Größe aufgetaucht. Auf der veröffentlichten Kundenliste Madoffs standen aber auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und die Commerzbank.

Anlagefirma wird abgewickelt

Madoff hatte den Mega-Schwindel im Dezember zwei in seiner Firma mitbeschäftigten Söhnen gestanden. Sie informierten die Behörden. Nach Madoffs Angaben sind allenfalls 200 bis 300 Millionen Dollar an Vermögen übrig. Seine Firma wird derzeit abgewickelt.

Die US-Börsenaufsicht SEC räumte bereits schwere Pannen ein, weil sie den Betrug über Jahre hinweg trotz vieler Hinweise nicht aufdeckte. Die Behörde einigte sich mit Madoff gerade auf einen Teilvergleich.

Mit der Vereinbarung wird vor der Entscheidung über die Zivilklage der SEC zunächst der Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet.

Die tatsächlich von Kunden bei Madoff investierte Summe könnte nach jüngsten Schätzungen auch weit unter den von ihm genannten 50 Milliarden Dollar liegen.

Madoffs Summe beinhalte womöglich nicht nur eingezahlte Gelder, sondern auch angeblichen Gewinne. Daher könne der tatsächliche Verlust der Anleger eher rund 20 Milliarden Dollar betragen, mutmaßen einige Experten inzwischen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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