Montag, 10. Dezember 2018

Karriere Die Macht der Intuition

Wenn Führungskräfte Entscheidungen treffen, urteilen sie meistens nach rationalen Gesichtspunkten. Tatsächlich sind Entscheidungen aber oft irrationaler, als viele es zugeben. Intuition kann im Berufsalltag ausgesprochen hilfreich sein - man muss nur wissen, wie man dem Bauchgefühl umgeht.

München - "Wir unterschätzen die Macht der Intuition für Entscheidungen", sagt Tobias Constantin Haupt, Psychologe an der Universität München. "Entscheidungen wirken für uns am überzeugendsten, wenn sie bewusst getroffen und am besten noch mathematisch hergeleitet werden." Aber diese Perspektive sei einseitig: "Wenn es um sehr komplexe Entscheidungen geht, ist Intuition sogar besser. Bei intuitiven Entscheidungen nutzen wir unser jahrelanges Erfahrungswissen." Bei der Frage, ob zum Beispiel ein Jobangebot das richtige ist, sei es daher ratsam, "auf den Bauch zu hören".

Grübeln hilft nicht immer: Wer auf seine innere Stimme hört, hat auf jeden Fall mehrere Entscheidungsvarianten zur Auswahl
Grübeln hilft nicht immer: Wer auf seine innere Stimme hört, hat auf jeden Fall mehrere Entscheidungsvarianten zur Auswahl
In der wissenschaftlichen Literatur sei das Phänomen Intuition lange nicht ernst genommen worden, sagt auch Madeleine Leitner, Psychologin und Karriereberaterin aus München. Die Psychologie habe im Gegenteil geholfen, beispielsweise bei der Personalauswahl Verfahren wie die Assessment Center zu entwickeln, die der Intuition objektive Kriterien gegenüberstellen sollen. "Andererseits haben Menschen über ihr Verhalten hinaus etwas, das nicht messbar ist, aber doch bei anderen ankommt", sagt Leitner. Solche Gefühle etwa einem Bewerber gegenüber sollten nicht ignoriert werden.

Wenn im Bewerbungsgespräch oder Assessment Center mehrere der Anwesenden intuitiv Bedenken gegen einen Bewerber haben, obwohl der unter allen messbaren Gesichtspunkten brilliert, plädiert Leitner für Skepsis: "Im Zweifel sollte man gegen den Kandidaten entscheiden." In jedem Fall lohne sich die Frage, woran das ungute Gefühl liegt. Schließlich müsse der Bewerber später im Team oder als Vorgesetzter auf andere überzeugend wirken.

Bauchgefühle verdienen jedoch kein blindes Vertrauen. Auch professionelle Entscheider legen in dieser Hinsicht nach Einschätzung Leitner oft Naivität an den Tag. "Manche Personaler glauben, sie könnten sich bei der Auswahl von Bewerbern ganz auf ihr Gefühl verlassen", kritisiert die Psychologin. "Das führt oft zu grauenhaften Fehlentscheidungen und wird den Bewerbern nicht gerecht." Die Vorstellung, die Eignung eines Bewerbers "mit dem Bauch" bewerten zu können, sei durch Studien widerlegt. Im Idealfall, so Leitner, sagen Bauch und Kopf das gleiche: "Der ist es!" Dann ist die Personalentscheidung einfach.

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