Freitag, 22. März 2019

Merrill Lynch Ex-Chef Thain zahlt

Der zurückgetretene frühere Merrill-Lynch-Chef John Thain zeigt Reue wegen der millionenschweren Luxusrenovierung seiner Büroräume. Er werde die Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Dollar persönlich erstatten, kündigte der 53-Jährige an. Verarmen wird Thain deswegen nicht.

New York - Die Renovierung seines Büros sowie zweier Konferenzräume und eines Empfangsbereichs seien vor mehr als einem Jahr in einem wirtschaftlich "noch sehr anderen Umfeld" erfolgt, sagte Thain in einem Interview des TV-Senders CNBC am Montagabend (Ortszeit). "Dennoch waren sie aus heutiger Sicht ein Fehler", räumte Thain zuvor auch in einer E-Mail an seine früheren Kollegen ein.

späte Reue: Ex-Merrill-Chef Thain
Die Rückzahlung wird Thain wohl verschmerzen können: In seiner Zeit als Merrill-Chef kassierte er 86 Millionen Dollar, allein sein Begrüßungsgeld zum Amtsantritt betrug 40 Millionen Dollar.

Der Manager wies zugleich Vorwürfe zurück, er habe die Bank of America Börsen-Chart zeigen nicht rechtzeitig über die Milliardenverluste bei Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen informiert. Auch von nun umstrittenen Bonuszahlungen für die Mitarbeiter der Investmentbank habe die Spitze des neuen Mutterkonzerns gewusst, verteidigte er sich. Thain selbst hatte noch Ende vergangenen Jahres einen Bonus von zehn Millionen Dollar eingefordert, später aber auf seine Forderung verzichtet.

Die Investmentbank Merrill Lynch wurde im Herbst vergangenen Jahres von der Bank of America übernommen. Nach einem überraschend hohen Milliardenverlust zum Jahresende 2008 trat Thain auf Druck der Bank of America in der vergangenen Woche zurück.

Der Wall-Street-Manager hatte die Übernahme seines wankenden Instituts im September 2008 eingefädelt. Der zunächst als Überraschungscoup gefeierte Zukauf wurde für die Bank of America zum Debakel. Merrill Lynchs jüngster Quartalsverlust von mehr als 15 Milliarden Dollar zwang die Bank of America, noch mehr staatliche Hilfen anzufordern. Auch Konzernchef Kenneth Lewis steht nun selbst massiv in der Kritik.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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